Heft 4/2010 der „Spiegelungen. Zeitschrift für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas“
„Die Peripherie wird attraktiver, bereichert das Zentrum“, schlussfolgert Walter Engel in einem Beitrag für Heft 4/2010 der Zeitschrift „Spiegelungen“, in dem er sich mit den literaturwissenschaftlichen Studien auseinandersetzt, die in einem neueren Tagungsband des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München unter dem Titel „Wahrnehmung der deutsch(sprachig)en Literatur aus Ostmittel- und Südosteuropa – ein Paradigmenwechsel?“ im IKGS-Verlag erschienen sind.
In dem Band, der Bemühungen des Instituts in diesem Bereich konsequent fortsetze, würden Werke sowie poetologische Positionen namhafter deutscher Autoren aus Südosteuropa, „die längst zum Kanon deutscher Gegenwartsliteratur gehören“ (Paul Celan, Oskar Pastior, Herta Müller), neben regional relevanten Autoren mit ihrer spezifischen Prägung untersucht und Forschungsergebnisse präsentiert, die zur intensiveren Wahrnehmung der deutschen Minderheitenliteraturen Südosteu-ropas in der germanistischen Fachwelt wie auch in der literarischen Öffentlichkeit des deutschen Sprachraums beitrügen, so der Rezensent zu der von Peter Motzan und Stefan Sienerth herausgegebenen Studiensammlung.
Einem verwandten Forschungsgebiet wendet sich der in den USA lehrende Germanist István Gombocz zu, der sich in dem Aufsatz „Donauschwaben in Amerika“ mit einem der bisher „unerschlossenen Aspekte der donauschwäbisch-amerikanischen Kulturgeschichte“ befasst, indem er in die Pressegeschichte der Donauschwaben in Übersee Einblick bietet und eines ihrer langlebigeren Organe, den „Deutsch-ungarischen Familienkalender“, der von 1932 bis 1954 erschienen ist und im Untertitel „Ein Jahrbuch der Deutschen aus Banat, Burgenland, Slavonien, Ungarn und dem Arader Kreis“ hieß, vorstellt.
Begründet wurde der Kalender von Joseph Marx (1881–1939), einer der führenden Persönlichkeiten der donauschwäbischen Einwanderergemeinde, der sich durch den Erfolg des ebenfalls von ihm ins Leben gerufenen „Heimatboten“ (1921–1964) zu der Unternehmung ermuntert fühlte. Nach Marx’ Tod waren der aus Lowrin stammende Hans Reichel (1898–1988) als Geschäftsführer und sein in Neubeschenowa geborener, seit 1923 in den USA lebender Banater Landsmann Michael Schaut (1881–1966) als Schriftleiter des „Heimatboten“ und des „Familienkalenders“ tätig.
Óndra Lysohorsky (1905–1989), einem bemerkenswerten zweisprachigen Dichter Südosteu-ropas, ist der Artikel von Paul Tischler gewidmet, den „Spiegelungen“ als Textprobe aus dem beim IKGS in Vorbereitung befindlichen Autorenlexikon abdruckt. Lysohorsky, der der im Grenzgebiet zwischen Polen und Tschechien lebenden Minderheit der Lachen angehörte, schrieb lachisch und deutsch. Der Verfasser des Artikels zählt ihn zu den Hauptvertretern der neueren slowakeideutschen Literatur. In der Rubrik „Literarische Texte“ veröffentlicht „Spiegelungen“ den Auszug „Niemand. Nirgends“ aus dem gleichnamigen Roman des aus der Vojvodina stammenden Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Boško Tomaševic, geboren 1947. Zum 70. Geburtstag von Ingmar Brantsch werden neue Gedichte des aus Kronstadt stammenden Lyrikers und Prosaisten veröffentlicht. Der Germanist Cosmin Dragoste, 33, Verfasser der ersten rumänischen Dissertation über Herta Müller, der Lyrik in rumänischer und deutscher Sprache schreibt, ist mit einer kleinen Auswahl aus seinen deutsch verfassten Gedichten vertreten.
„Schranken der gesellschaftlichen Organisierung der Ungarndeutschen in der Rákosi-Ära (1949–1945)“ betitelt sich der Beitrag der Fünfkirchner Historiker József Vonyó und Zsolt Vitári, die in ihrer zeitgeschichtlichen Untersuchung, auch unter Auswertung statistischer Recherchen, nachweisen, wie Diskriminierungen der Deutschen in Ungarn in der Nachkriegsperiode sich über Jahrzehnte in deren gesellschaftlicher Existenz und Bewusstsein niederschlugen. So kamen zu den vom kommunistischen Regime errichteten äußeren Schranken innere hinzu, die die Selbstorganisierung der Ungarndeutschen zum Zweck ihrer Interessenvertretung behinderten.
Die Rubrik „Forum“ berichtet über das breite Medien-Echo, das der Beitrag Stefan Sienerths in „Spiegelungen“ 3/2010 über die IM-Tätigkeit Oskar Pastiors ausgelöst hatte und über die Jenenser Tagung zum Thema „Die Securitate in Siebenbürgen“. Der Historiker Rudolf Gräf, Vizerektor der Babe{-Bolyai-Universität Klausenburg/Cluj, würdigt den Grazer Fachkollegen Harald Heppner zum 60. Geburtstag. An den namhaften siebenbürgischen Künstler Friedrich von Bömches (1916–2010) erinnert Gudrun Liane Ittu (Hermannstadt). Beigelegt ist dem Heft 4 das Jahresinhaltsverzeichnis 2010 der im Auftrag des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte an der LMU München herausgegebenen Vierteljahresschrift.
Quelle: ADZ
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Südosteuropa-Deutsche sind meistens schon in einem Alter, wo sie in Sache Schreiben schon einen “Namen” haben müßten.
Ich kann schwer die rumänische Jugend oder die Kinder aus Mischehen (die als Hauptsprache Rumänisch haben) dazurechnen.
Das würde nur die Statistik verfälschen.
Ich mache mir schon lange Gedanken, was der Nachwuchs unserer Schwowe hier in Deutschland in Sache Schreiben so zu bieten hat.
Bin ich so uninformiert oder gibt es tatsächlich nichts?
des is auch mal wieder so ein nichtssagender Artikel, in dem eine angebliche südosteuropäische deutsche Literatur aufgebläht wird.
Im heutigen Betrieb ist es doch entscheidet, was sich gut verkauft (war aber wahrscheinlich immer schon so). Und da haben Südosteuropa-Deutsche es schwer nur wenige haben es geschafft, darunter auf jeden Fall eine Nitzkydorferin und mit Abstand ein Perjamoscher.