Orthodoxe Kirche in Siebenbürgen am Scheideweg

2. März 2011
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Der Tod von Bartolomeu Anania wirft neue Fragen auf / Von Werner Kremm

Außer dem Beschluss, nach Ostern rumänienweit eine breit angelegte Sammelaktion für den Bau der Bukarester Patriarchalkirche zu starten, ist auf der jüngsten Synode der Rumänischen Orthodoxen Kirche nichts an die Öffentlichkeit gedrungen, was große Aufmerksamkeit erweckt hätte.

Nach dem Tod des Metropoliten von Klausenburg, Bartolomeu Anania, steht aber eine wichtige Entscheidung bezüglich der religiösen Verwaltung Siebenbürgens an. Denn nachdem das bis vor einigen Jahren durch eine einzige Metropolie verwaltete Siebenbürgen auf ausdrücklichen Wunsch von Bartolomeu in zwei Bereiche geteilt wurde, und zwar in einen südsiebenbürgischen mit dem (seit Andrei Saguna) traditionellen Metropolitensitz in Hermannstadt/Sibiu (Metropolit Dr. Laurentiu Streza) und in einen nordwestsiebenbürgischen (Bartolomeu Anania), ist eigentlich kaum etwas von den seinerzeit auf Versöhnung ausgerichteten Beschlüssen der Synode realisiert worden.

In erster Linie haben sich die beiden Metropoliten Streza und Bartolomeu kein einziges Mal zu Konsultationen getroffen. Laut Beschluss der Synode hätten sie es („mindestens“) dreimal jährlich tun müssen. Sie taten es keinmal. So stark waren die Spannungen und Ressentiments zwischen ihnen. Seinerzeit wurde der Wunsch Bartolomeu Ananias von der Synode erfüllt, aber sein Tod schafft nun die Möglichkeit, neue Entscheidungen zu treffen. Insgeheim hatte der konservative Kirchenmann 2005 gehofft, zum Metropoliten Siebenbürgens gewählt zu werden. Die Gründung einer Metropolie in Nordwestsiebenbürgen wurde auf seinen ausdrücklichen Wunsch – nach dem Scheitern seiner Kandidatur für den Hermannstädter Metropolitenstuhl – beschlossen, aber erst durch Übertretung mehrerer Kanons der orthodoxen Kirche möglich.

Patriarch Daniel hat sich zu Änderungen in der kirchlichen Verwaltung Siebenbürgens bis heute nicht geäußert und wird es wohl öffentlich auch nicht tun. Man darf aber gespannt sein, wie er das Problem löst. Es gibt in Siebenbürgen Fragen des Regionalstolzes, die durchaus zu berücksichtigen sind. Eine Auflösung der neugebildeten Metropolie Klausenburg (wie ihre Schaffung über Nacht) wäre ein Affront gegen die wirtschaftlich aufstrebende Region und ihr ganzes Hinterland.

Zudem: Premier Emil Boc stammt aus dieser Region und die orthodoxe Kirche pflegt solchen Tatsachen Rechnung zu tragen. Das lange Gespräch, das Emil Boc nach dem Tod von Bartolomeu mit Patriarch Daniel geführt hat, dürfte sich nicht nur um Finanzierungen des Baus neuer orthodoxer Kirchen gedreht haben. Auch dass die gesamte Spitze der PDL beim Begräbnis von Bartolomeu dabei war, ist als ein Zeichen zu werten. Zustimmung kam von dieser Spitze auch, als Bartolomeu Anania durch sein Bestehen auf einen eigenen Metropolitenstuhl Siebenbürgen geteilt hat. Streza wurde unter den PDL-Granden seinerzeit nur von Sorin Frunz²verde unterstützt.

Patriarch Daniel muss nun im „religiösen Machtkrieg“ zwischen Klausenburg und Hermannstadt Frieden stiften. Takt und Diplomatie für ein solches Bestreben werden ihm nachgesagt. Ein Machtwort steht ihm jederzeit zu. Allerdings wird er erst aktiv werden können, wenn in Klausenburg ein Nachfolger von Bartolomeu installiert ist. Dadurch würde er den kanonischen Fehler vermeiden, den man vor der Amtseinführung von Lauren]iu Streza als Metropolit Siebenbürgens gemacht hat. Damals war die kanonische Amtseinführung noch nicht vollzogen, als Bartolomeu und seine Anhänger bereits die Spaltung zum Fakt gemacht hatten. Die hohen Kirchenfürsten sehen das bis heute als einen (kanonischen) Fehler an.

Lösungen für die Siebenbürgenfrage der orthodoxen Kirche zirkulieren viele unter den Kirchenoberhäuptern. Eine wäre, Klausenburg zur Ehrenmetropolie zu erklären und den Metropoliten von Klausenburg mit diesem Titel und Rang zu belassen. Es gibt sogar die Variante, dass Streza aus Hermannstadt für den Metropolitenstuhl Klausenburg kandidieren könnte und durch seine Wahl eine Wiedervereinigung herbeiführt, nach dem Modell der Moldau und Walachei im 19. Jahrhundert. In Hermannstadt würde dann ein Erzbistum Siebenbürgens entstehen. Kanonisch ginge dann allerdings der historische Metropolitenstuhl Andrei [agunas in Hermannstadt verloren. An den sind viele Elemente des südsiebenbürgischen rumänischen Nationalstolzes gebunden.

Andere Varianten sehen eine komplette Neuordnung der orthodoxen Kirchenbezirke in Siebenbürgen vor. Hermannstadt, zu dem gegenwärtig nur der Verwaltungskreis Kronstadt und das „arme“ (weil kaum von Orthodoxen bewohnte) Bistum Harghita und Covasna gehören, sollte um Deva und Hunedoara vergrößert werden – die gegenwärtig durch einen angeblichen „kirchlichen Irrtum“ zur Metropolie des Banats gehören. Auch die Bistümer Alba und Mures sollen künftig Hermannstadt zufallen, um dadurch „Ausgeglichenheit“ zwischen den Metropolien Nord- und Südsiebenbürgens zu schaffen. Das Ganze sollte, so heißt es unter den hohen Hierarchen der rumänischen Orthodoxie, einhergehen mit der Gründung neuer Bistümer, etwa Mure{, Bis-tritz und Kronstadt. Das alles ist zwar eine große organisatorische Aufgabe, aber sie ist dem Patriarchen und seiner Synode ohne Weiteres zuzutrauen.

Gespannt darf man auf alle Fälle sein auf die Lösungen, die ab März – wenn die sechs Wochen nach dem Ableben des Metropoliten Bartolomeu Anania vorüber sind – in Siebenbürgen umgesetzt werden.

Quelle: ADZ
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