Neuanfang hinter Gittern

2. März 2011
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Berufsausbildung für Strafgefangene / Von Ana Sãliste

Praxisnäher und flexibler – die Berufsausbildung hinter Gittern soll den Gefangenen zu einem Neueinstieg in die Gesellschaft verhelfen. Die steigende Rückfallquote und Arbeitslosigkeit sollen dadurch bekämpft werden. Die Straftäter sollen nach ihrer Entlassung verbesserte Startchancen in der Arbeitswelt bekommen. Gefördert werden Bildungsmaßnahmen im Bereich Bauwesen und Tierzucht.

800 Strafgefangene der Haftanstalten Temeswar/Timisoara, Botosani und Sathmar/Satu-Mare werden künftig einer neuen Berufsausbildung nachgehen – dies ist das Ziel eines umfangreichen Ausbildungsprogramms, das die Temeswarer Haftanstalt im vergangenen Jahr in die Wege geleitet hat. Das Programm wurde zusammen mit der Temeswarer Berufsschule „SAM“ ausgearbeitet.

Das Ziel: Strafgefangene auszubilden, damit diese nach der Entlassung bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. „Für den erfolgreichen Wiedereintritt in die Gesellschaft ist es wichtig, Gefangenen eine gute berufliche Perspektive zu bieten. Die Ausbildungsprogramme, die von der Regierung im Rahmen des Arbeitsamtes angeboten werden, sind ausschließlich für Arbeitslose gedacht. Da ist es noch schwieriger für die Straftäter, nach der Entlassung eine Stelle zu finden“, erläutert Florin Serpe, Leiter der Temeswarer Haftanstalt.

Beruf und gutes Benehmen

500 Sträflinge werden einen praktischen und theoretischen Ausbildungskurs im Bereich Bauwesen besuchen. 300 Straftäter werden im Bereich Tierzucht ausgebildet. Dazu soll ein Zuchtbetrieb speziell ausgestattet werden. Zugleich sollen die Teilnehmer auch einen Lehrgang für gutes Benehmen besuchen. „Wir haben die Kurse an die Ausbildung der Straftäter angepasst. Hätten wir Kurse für Hochschulabsolventen angeboten, so hätten wir nicht so viele Teilnehmer haben können“, erklärt Florin Serpe. Die Ausbildungskurse werden in Zusammenarbeit mit Fachleuten vom Temescher Arbeitsamt ausgearbeitet. Hiermit werden die Gefangenen u. a. zu Tierzüchtern, Tischlern und Bauarbeitern ausgebildet.

Das Projekt wird durch den Europäischen Sozialfonds gefördert und läuft über drei Jahre. Die gesamte Investitionssumme beträgt 19 Millionen Lei. „Die unzureichenden Ressourcen des Staates in diesem Bereich können durch solche Programme ausgeglichen werden. Dadurch kann man auch besser bezahlte Arbeitsplätze anstreben“, so Ioan B²la, Generaldirektor der Haftanstalten in Rumänien.

Rückfallhäufigkeit verringern

Infolge des Ausbildungsprojekts sollen die Möglichkeiten der sozialen und beruflichen Integration der Straftäter gesteigert und mögliche Rückfälle in die Straffälligkeit vermieden werden. 70 Prozent der Inhaftierten sind Rückfalltäter, zeigt eine aktuelle Studie. „Die Sträflinge finden nach der Entlassung nur schwer einen Job. Dies hauptsächlich auch wegen des polizeilichen Führungszeugnisses, das bei der Einstellung verlangt wird. 20 Prozent der entlassenen Sträflinge werden von ihren Familien nicht mehr unterstützt. Für sie gibt es dann nur zwei Möglichkeiten: die staatliche Sozialhilfe oder weitere Straftaten zu begehen“, erläutert Delia Borza, stellvertretende Direktorin für soziale Integration bei der Temeswarer Haftanstalt.

In der Temeswarer Haftanstalt sind derzeit 1079 Gefangene untergebracht. Etwa 200 davon sind rückfällige Straftäter. „Die Anstaltsleitung und Psychologen bestimmen nach der Persönlichkeit der Inhaftierten, wer von ihnen eine Ausbildung beginnen kann“, so Florin Serpe. Es sind Täter, die zu höchstens fünf Jahren Haft verurteilt wurden. Die Teilnehmer werden sich regelmäßig einer psychologischen Untersuchung stellen müssen. Eine Ausbildung ist zwar keine Garantie für den Ausstieg aus dem kriminellen Milieu, doch die Statistik zeigt, dass Haftentlassene mit einer Berufsausbildung seltener rückfällig werden als jene ohne abgeschlossene Lehre. „Die Straftäter brauchen nach der Entlassung eine zweite Chance“, schließt Delia Borza.

Quelle: ADZ
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