Kronstädter Stadtjubiläum als Veranstaltungsmotto des Jahres

Es werden 775 Jahre seit der ersten urkundlichen Erwähnung gefeiert / Von Ralf Sudrigian

Die erste urkundliche Erwähnung von Kronstadt/Brasov erfolgte vor 775 Jahren in einer als „Catalogus Ninivensis“ bezeichneten Urkunde – ein Verzeichnis der Klöster des Prämonstratenserordens. Das 750. Jubiläum dieses Ereignisses (1985) fiel noch in die Jahre der „Goldenen Epoche“ des national-kommunistischen Regimes von Ceausescu. Die Behörden hatten damals kein Interesse, ein derartiges Jubiläum groß zu feiern, weil es nicht in das Konzept der kommunistischen Geschichtsschreibung passte.

In diesem Jahr gibt es also etwas nachzuholen und die Öffentlichkeit auf das Alter der Stadt aber auch auf ihre Gründer aufmerksam zu machen. Wie die Schwerpunkte dabei gesetzt werden, hängt natürlich von den Veranstaltern und indirekt von den Fachleuten ab, die sie beraten. Selbstverständlich übernimmt das Bürgermeisteramt Kronstadt dabei die Hauptrolle. 2010 ist in Rumänien zum Glück kein Wahljahr, sodass, theoretisch, die geplanten Feierlichkeiten nicht im Zeichen von innenpolitischen Disputen oder von Parteipropaganda stehen sollten.

Inoffiziell eröffnet wurde die Veranstaltungsreihe anlässlich des Jubiläums am letzten Tag des Vorjahres, als das traditionelle Orgelkonzert in der Schwarzen Kirche durch Repertoire-Auswahl und die Grußworte von Stadtpfarrer Christian Plajer an die für die Stadt so wichtige und stolze 775. Jährung ihrer ersten bekannten schriftlichen Nennung (damals unter der Bezeichnung „Corona“) erinnerte. Vorher schon, im Oktober, im Programmheft der Konzertreihe „Musica coronensis“ hatte die Honterusgemeinde ebenfalls darauf hingewiesen. Die Stadtväter reagierten prompt und richtig: Das Jubiläum, so ließen sie wissen, soll das ganze Jahr hindurch gebührend gefeiert werden. Alle Veranstaltungen sollen unter dem Motto „Brasov 775“ laufen – sowohl kulturelle als auch sportliche oder anderer Natur. Fahnen und Wimpel, Poster und Plakate, Broschüren und Werbematerial – alles soll auf die 775 Jahre hinweisen, seit Kronstadt einen Namen hat. Mehr noch – Bürgermeister George Scripcaru überlegt, ob nicht auch auf offiziellen Dokumenten, im Briefkopf, das Alter der Stadt vermerkt werden kann.

Nach der internationalen Buch- und Musikmesse folgen nun im nächsten Monat der Aufmarsch der Junii-Reiter und die Kronstädter Tage, die im Zeichen des Jubiläums stehen werden. Selbst die Brasov-Autorallye soll damit in Beziehung gebracht werden. Eine Grafik- und Fotoausstellung („Kronstadt in Bildern“), die beim Kunstmuseum Ende April eröffnet wird, ist da schon besser dazu geeignet. Der Goldene Hirsch wird sich auch mit den Zahlen 775 schmücken – obwohl bei einem Schlagerfestival Urkunden und vergangene Jahrhunderte nur Nebensache sein können. Aber der Austragungsort – der alte Marktplatz im historischen Stadtzentrum – ist unverwechselbar und ist das Herz von Kronstadt. Am selben Standort ist am 18. Juni eine Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ vorgesehen, an der sich die Kronstädter Philharmonie und die Oper der Stadt beteiligen. Die Wahl ist nicht zufällig: Der Text dieses vokal-sinfonischen Werkes wurde vor ungefähr sieben Jahrhunderten verfasst.

Ein weiterer Höhepunkt des Jubiläumsjahres findet im selben Monat ebenfalls am Marktplatz statt: Im neuen Museum der städtischen Zivilisation wird eine Ausstellung über Kronstadt im 19. Jahrhundert eröffnet. Das Festival des zeitgenössischen Theaters, das Opern- und Ballettfestival, Etnovember – alle berufen sich in diesem Jahr auf die stolze Stadtgeschichte, die dokumentarisch 775 Jahre umfasst. Der Veranstaltungskalender steht noch offen für weitere Termine und Vorschläge, wobei auch das Kronstädter Kreisforum, die Honterusgemeinde und die Kirchengemeinde Bartholomä als Partner erwartet werden. Bereits jetzt werden „Musica coronensis“ im Oktober und der Bunte Abend (Kulturprogramm des Kreisforums) im Mai unter den offiziellen Kronstädter Jubiläumsveranstaltungen geführt.

Für das Image der Stadt bedeutet das Jubiläum viel. So will man im Tourismus verstärkt mit der Stadtgeschichte werben und geht dabei auch neue Wege. „Walking“ heißt ein in Rumänien noch nicht bekanntes Freizeitprogramm, bei dem Wanderer zu Fuß mehrere Ziele (Natur- und historische Sehenswürdigkeiten) in Tagesetappen von fünf bis zehn Kilometern besichtigen und dafür in einem Heft Eintragungen in Form von Etappen-Stempeln erhalten. Cecilia Doiciu, die für Europa-Integration zuständige Direktorin beim Bürgermeisteramt, hofft, im September ein Mini-Walking mit internationaler Beteiligung in Kronstadt veranstalten zu können.

2010 verspricht sowohl für die Kronstädter als auch für die Touristen ein ereignisreiches Jahr zu werden, vor allem in kultureller Hinsicht. Die 775 Jahre Stadtgeschichte stehen im Vordergrund und mit ihr sollten auch die Kronstädter Sachsen von gestern und heute in der Öffentlichkeit entsprechend wahrgenommen werden.

Quelle: ADZ
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  2. Mrz 12, 2010 - 18:23: Neue Beiträge der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien – 12.03.2010 » Rumänien, Prozent, Artikeln, Kronstädter, Zeitung, Links » Banat Blog

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