Die Bienenzucht in Rumänien erlebt einen Aufschwung – auch dank der Wirtschaftskrise / Von Andrei Avram
Mihai Apostolescu lädt gleich zum Kaffee ein, doch zunächst bietet er Honigdestillat, Jahrgang 2000, an. Der gelernte Mathematiklehrer, der sich seit zwei Jahrzehnten mit der Bienenzucht beschäftigt, ist die zentrale Figur der sechsten Honigmesse, die von der Vereinigung der Bienenzüchter im Prahova-Tal am vergangenen Wochenende in Câmpina organisiert wurde, obwohl er sich bescheiden nur als „einer der Veranstalter“ bezeichnet. Das Destillat – ein hartes Getränk, dessen Geschmack an Schnaps, Tuicã, erinnert – ist dabei nur eines von zahlreichen Produkten, neben Honig an sich, das durch das Zusammenspiel der Arbeit von Bienen und deren Züchtern entstehen kann. Neben Wachs oder Pollen gehört auch der Met (auch als Honigwein bekannt) dazu, der in Rumänien nur bei spezialisierten Messen erhältlich ist.
Die Bienenhaltung erfordert seitens aller Beteiligten Bienenfleiß. Im Sommer arbeite man, solange draußen Licht sei, erklärt Apostolescu. Er besitzt 200 Bienenvölker, um die er sich gemeinsam mit zwei weiteren Verwandten kümmert. Die Kontinuität des Geschäftes scheint auch gesichert: Am Stand des Familienbetriebes „Stupina Apostolescu“ – eine von etwa 50 Firmen, die auf der Messe zugegen waren – hilft sein 12-jähriger Sohn Stefan beim Verkauf mit und erklärt, dass er die Arbeit seines Vaters fortsetzen will. Über den Zustand der Bienenzucht in Rumänien erklärt Apostolescu, dass sich diese in vollem Aufschwung befinde. Viele jungen Leute seien in diesem Landwirtschaftszweig hinzugekommen, der bis etwa 2008 von einer Alterung der Aktiven gekennzeichnet war. Eine besondere Rolle spielten laut Apostolescu die europäischen Fördergelder. Gegenwärtig verfügt die Vereinigung der Bienenzüchter im Prahova-Tal über 140 Mitglieder, die insgesamt etwa 6000 Bienenvölker haben.
Dass junge Bienenhalter inzwischen keine Seltenheit mehr sind, bestätigt auch George Topalã. Dabei verweist er ausgerechnet auf die Wirtschaftskrise als Katalysator für den Einstieg von Neulingen: Die Arbeitslosigkeit habe viele junge Menschen bewegt, sich mit der Bienenzucht zu beschäftigen. Topalã selbst ist auch erst später zum Honigproduzenten geworden – er ist studierter Ingenieur. Er erklärt, warum der Staat der Bienen aus seiner Sicht die perfekte Organisationsform darstellt: „Jede Biene weiß, welche Rolle sie im Bienenstock hat, bevor sie geboren wird.“ Topalã scherzt, dass Rumänien seine Probleme lösen könnte, wenn man die Struktur des Bienenstaates übernehmen würde.
Trotz der positiven Tendenzen bleibt die Bienenhaltung ein schwieriges Geschäft. Die meisten Produzenten seien als Familienbetriebe organisiert, weil sie sich keine weiteren Mitarbeiter leisten können, erklärt Corina Motoroiu aus Breaza, die zusammen mit ihrem Mann neben dem klassischen Akazienhonig auch Wiesen- und Lindenhonig sowie Propolis, Pollen und Wachs auf den Markt bringt. Lindentee hat einen beruhigenden Effekt, wenn Honig beigefügt wird, erklärt Corina Motoroiu.
Auch Pollen hilft der Gesundheit. Er ist gut für das Immunsystem, sagt Alina Mates, die als Vertreterin von Apidava Blasendorf/Blaj in Câmpina nicht nur für Honig, sondern auch für Honigwein wirbt. Im Gegensatz zu den meisten Produzenten ist Apidava eine etwas größere Firma mit 30 Angestellten und hat sogar dreimal an der Grünen Woche in Berlin teilgenommen. Dennoch – so Mates– seien etwa 90 Prozent der Produktion für den einheimischen Markt bestimmt. Bei Tremot Dobre si Fiii, einem weiteren größeren Produzenten, ist allerdings genau das Gegenteil der Fall: 80 bis 90 Prozent des Honigs gehen ins Ausland, davon die größte Menge nach Deutschland. Am Stand von Tremot – ein Unternehmen mit 40 Angestellten – ist außer Honig etwa ökologischer Sirup aus Geweihsprossen zu bekommen. Auch hier heißt es, Honigprodukte fördern die Gesundheit: Propolis wirke als natürliches Antibiotikum, während es in Kombination mit Honig für das Immunsystem dienlich sei.
Honig kann derweil auch der Kunst zugutekommen. Dies beweist Dina Cãmãrãsan – Honigzüchterin in der dritten Generation, die extra aus Bistritz zur Messe angereist ist. Sie bietet Ikonen aber auch plastisch geformte Kerzen feil – selbst gebastelt, versteht sich. Diese gebe es allerdings nur bei Honigmessen, erklärt die Siebenbürgerin.
Quelle: ADZ
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übrigens bei einer großen deutschen Drogeriekette gibt es Akazienhonig aus Rumänien zu kaufen, zwar ein bißchen teuer, aber vorzüglich.