Gespräch mit der Autorin Gabriela Adamesteanu auf der Leipziger Buchmesse
Die renommierte rumänische Autorin Gabriela Adamesteanu war in diesem Jahr Gast der Leipziger Buchmesse, die vom 17. bis 20. März stattgefunden hat. Sie stellte da ihren neuen Roman „Provizorat“ vor, der bei seiner Veröffentlichung großes Aufsehen erregt hat und von der Kritik sehr positiv bewertet wurde. In einer von rumänischen Literaturkritikern getroffenen Auswahl der im Jahr 2010 veröffentlichten Bücher kam der Roman unter die besten zehn. Mit Gabriela Adamesteanu sprach Bernhard Spring. Das Interview wurde ermöglicht von Hildrun Schneider vom Schiller Verlag Hermannstadt, die aus dem Rumänischen übersetzte.
Was kennzeichnet die rumänische Literatur der Gegenwart?
Unter den rumänischen Schriftstellern gab es einen starken Wandel um das Jahr 2003. In den ersten zehn Jahren nach der Revolution war das Interesse an Erinnerungsliteratur sehr groß. Es dominierten die Autoren, die verschiedene Phasen des Sozialismus miterlebt hatten und nun unzensiert darüber schreiben konnten. Nach der Jahrtausendwende aber trat eine neue Autorengeneration an die Öffentlichkeit. Sie schreibt weniger über die Vergangenheit, sondern vielmehr über die soziale Gegenwart Rumäniens. Diese Literatur erregt internationale Aufmerksamkeit und wird häufig übersetzt.
Welche Themen greift die aktuelle rumänische Literatur auf?
Im Allgemeinen wird über den sozialen Niedergang des Landes geschrieben. Armut, Frust und Korruption sind die großen Motive der gegenwärtigen Literatur. Die Schriftsteller leben den Traum der Auswanderung. Ich selbst weiß nicht, ob ich mich diesem negativen Bild anschließen soll. Derzeit schreibe ich an einem Roman, der in der Gegenwart spielt, aber ich kann noch nicht sagen, welcher Ton überwiegen wird. Es ist schwer, sich der Stimmung im Land zu entziehen.
Woher rührt diese Enttäuschung?
Die Erwartungen nach dem Ende des Sozialismus waren einfach zu groß. Die Menschen glaubten, es würde alles besser werden. Doch die alten Machthaber blieben in Amt und Würden und eigneten sich den Staatsbesitz an. Die Kollektivierung nach dem Weltkrieg verlief ja noch nach festgelegten Regeln. Aber der umgekehrte Vorgang ist völlig entgleist. So sind die Geheimdienstagenten und Politiker von einst durch dunkle Machenschaften zu großen Kapitalisten geworden, während die einfache Bevölkerung zum großen Teil in einer schlechten Lage lebt. Die Bauern zum Beispiel wandern in die Städte ab, wo sie arbeitslos und in Armut leben. Viele landwirtschaftliche Nutzflächen hingegen bleiben unbestellt zurück, wodurch die Produktion zurückgeht. Dabei ist Rumänien eigentlich ein sehr fruchtbares, ertragreiches Land.
Darf über all die negativen Seiten der Gegenwart geschrieben werden?
Ja. Es gibt lediglich eine wirtschaftliche Zensur, die sich nach der Nachfrage und der Leserschaft richtet – wie überall. Eine politische Zensur gibt es allerdings nicht. Im Sozialismus gab es diese Freiheit nicht. Da wurde jedes Buch vorzensiert und auch ich habe meine Manuskripte selbst zensiert, habe manches verschwiegen oder ausgelassen, damit es durch die Zensur kommt. Erst nach 1990 erschienen meine Bücher ungekürzt.
Welche Rolle spielt die Literatur der Minderheiten in Rumänien?
Die größte Minderheit ist die der Ungarn. Sie sind politisch und kulturell sehr mit Ungarn verbunden, weniger mit Rumänien. Generell wird leider viel zu wenig Literatur der ungarischen und auch der deutschen Bevölkerung übersetzt, um die rumänische Literatur zu beeinflussen.
Im Juni 2006 eröffnete das rumänisch-deutsche Ehepaar Liana und Jens Kielhorn im Hermannstädter Kulturzentrum „Friedrich-Teutsch-Haus“ das Büchercafé „Erasmus“, das sich mittlerweile zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt hat für Kultur-und Lesebegeisterte, für Touristen und Familien. Hier kann man drinnen oder im Hof sitzen, lesen, am PC arbeiten, Kaffee trinken, sich unterhalten und interessante Menschen aus aller Welt kennenlernen.
Das Angebot dieser Buchhandlung mit vielen deutschen Büchern ist für die noch in Rumänien verbliebenen Siebenbürger Sachsen gedacht, so wie für die große Gruppe der Deutsch lernenden Rumänen und die immer zahlreicher werdenden Besucher aus dem Westen.
Im Jahr 2007 war Hermannstadt zusammen mit Luxemburg Europäische Kulturhauptstadt, der Zustrom von Besuchern wurde seither immer kräftiger. Im Herbst desselben Jahres gründete Jens Kielhorn zusammen mit dem in Hermannstadt geborenen Münchner Journalisten Anselm Roth den Schiller-Verlag, der mittlerweile schon fast 50 überwiegend deutsche Bücher verlegt hat. Es handelt sich um Titel über Siebenbürgen oder von siebenbürgischen Autoren geschriebene Werke, angefangen vom Roman über Bücher zu Geschichte, Kultur, Tourismus bis hin zum Kinder- oder Kochbuch. In der Verlagsbuchhandlung (mit mittlerweile vier Filialen) findet man auch viele Bücher anderer rumänischer Verlage.
Sie sagten, die Literatur der Deutschen oder Ungarn in Rumänien wird nicht übersetzt und kann dadurch die rumänische Literatur nicht beeinflussen. Auch Herta Müller beeinflusst die rumänische Literatur also nicht?
Herta Müller hat mit der rumänischen Literatur nichts zu tun. Bei den Lesern in Rumänien ist sie sehr beliebt, hauptsächlich aufgrund ihrer Essays und der darin zum Ausdruck gebrachten kritischen Haltung. Auf die Schriftsteller aber hat sie keinen Einfluss, zumindest denkt sie das. Vielleicht wird sich das ändern, jetzt, wo sie den Nobelpreis erhalten hat und man sie mehr beachtet.
Welche Wirkung hat die Leipziger Buchmesse für die rumänische Literatur?
Der Wert der internationalen Präsenz ist nicht hoch genug einzuschätzen. Rumänische Literatur wird erst seit fünf Jahren regelmäßig übersetzt, wir hinken da also noch etwas hinterher. Aber das Rumänische Kulturinstitut bemüht sich sehr um Aufmerksamkeit. In Leipzig ist man den rumänischen Autoren gegenüber aufgeschlossener als in Frankfurt und sogar in Paris. Vor allem junge Leser zeigen sich sehr interessiert. Das gibt Hoffnung.
Vielen Dank für das Gespräch.
Quelle: ADZ
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Der Schwob am 13. April 2011 um 12:27
,,Im Moment ist Florescu der begabteste Geschichtenerzähler aus unserer Region,
ob es dem einen oder anderen passt oder nicht,,.
Tja jezt muß er sich noch ,,Geschichtlich,,gut informieren.
Karl May hat auch Geschichten aus Amerika geschrieben obwohl er nicht dort war.
Es gibt mehrere solche Buchhandlungen wie die von der Adamesteanus Dame spricht. Wahrscheinlich möchte sie auch etwas von dem Ruhm an dem sich Herta Müller freut bekommen. Peinlich
Da bin ich eher anderer Meinung, der Wichner drängt sich sehr weit nach vorn.
Vor allem in der IM-Affäre Pastior hat er sich schnell,zu schnell positioniert.
Die Literatur der Müller ist nicht an den Schauplätzen der heutigen Ukraine entstanden. Die Fahrt dorthin würde ich nicht überbewerten.
Überhaupt habe ich den Eindruck, dass jetzt alle den Rockzipfel der Herta suchen, auch solche, die früher nie eine Zeile von ihr gelesen aber gerne über sie geschimpft haben.
Einer geht ein bisschen unter bei der Nobelpreisdiskussion: Ernest Wichner.
Er war der Motor, der Pastior und HM antrieb. Alle 3 waren wichtig, Pastior als
Zeitzeuge und experimenteller Ästhet, HM als Top-Geschichtenerzählerin
und Wichner als Katalysator. Wichner war es, der darauf pochte, an die historischen Orte der Ukraine zurückzukehren. Es geht um Glaubwürdigkeit.
Auch der Ami Roth kann gute Geschichten erzählen, Stockholm entschied sich aber für die europäische Saga.
Im Moment ist Florescu der begabteste Geschichtenerzähler aus unserer Region,
ob es dem einen oder anderen passt oder nicht.
ja, ja und nicht nur das, sie kommen auch aus zwei verschiedenen Ortschaften, Herta Müller aus Nitzkydorf und Adam Müller eben aus Guttenbrunn.
Das der Securitate-IM Oskar Pastior es war, der Herta Müller “die Ideen gab” um die Ochtumsschwipp (also Atemschaukel) zu schreiben, will ich gerne glauben. So verwundert es mich nicht, daß unsere 7Bürgener Brüder der Meinung sind, daß es eigentlich ein siebenbürgerischer Nobelpreis ist; ein Betriebsunfall, daß es ein Banater Nobelpreis wurde (so ähnlich hat man sich hier auch mal ausgedrückt). Außer der kindlich-narrischen Planton-Kathi aus Bakowa kommen ja die Schwowe auch dort, charakterliche meine ich, nit sonderlich gut weg.
Im übrigen war es Herta Müller wohl zu spießig gewesen sich unter den Banatern über die Rußlanddeportation zu recherchieren, sind diese doch in ihren Augen kryptonazistisch (Stichwort Rußlanddeportation als Sühne für doitsche Schuld – so denkt und empfindet ja auch heute noch die linke Kulturschickeria).
In Bezug auf Rußland- und Baragandeportation, Besiedlung des Banats mit Kolonisten aus dem Westen (Elsaß-Lothringen, Pfalz, wie Florescu es bearbeitet hat, etc) wird mir immer mehr bewußt wie sehr die banatschwäbische Intelligenzia eigentlich hauptsächlich nur Nabelschau in ihren Werken betrieben hat, also Securiate-Gschichteln, ob wahr oder falsch, Schickanen tatsächliche und vermeintliche der zarte Künstlerseelen durch die Herren am Leontin Salajan-Boulevard, das Fuchsfell, die Bahnhofshalle von Poiana Brasov, usw. usf. Wenn einst die banatschwäbische Welt ganz zu Staub zerfallen ist, was bleibt dann noch? Das Triptychon von Stefan Jäger und das Gejammere und das literarische Selbstmitleid der Banatschwäbischen Aktionisten um den Berwanger Niki.
Herta Müller ist nicht Adam Müller-Guttenbrunn, trotz teilweiser Namensgleichheit.
Eine Ergänzung zum “Banater Online-Frühschoppen”:
Wenn ich mich gut entsinne, war die Premiere des Stückes “Zwei Schwestern” so um 1979 – 1980. Eine weitere Aufführung gab es auch in Karlsruhe (so um 1990-1991).
Und noch etwas zum Thema:
Das Stück “Viehwaggon 21″ , ebenfalls von Stefan Heinz-Kehrer, ist ebenfalls der Deportation gewidmet. Es wurde im Temeswarer Literaturkreis wohl gelesen, doch danach von der Zensur verboten. Zu einer Aufführung kam es nie.
Zum Thema Russland und Baragan in der rumäniendeutschen Literatur:
Der erste, der die Russlanddeportation öffentlich angesprochen und sie sogar andeutungsweise auf die Bühne gebracht hat war
Stefan Heinz Kehrer
in seinem Theaterstück “Zwei Schestern”.
Das Stück wurde in Temeswar über Jahre hinweg mit großem Erfolg aufgeführt. Danach gab es (nach der politischen Wende) auch Gastspiele in Deutschland (Ulm, Berlin) und letztendlich eine eigene Inszenieren am Theater in Baden Baden.
Nach dem “Übel” kommt jetzt das Verstehen.
Leider sind die “Deportierten” der Familie tot.
Ich denke, über diese Deportation hätte man viel schreiben können und müssen. Es gibt Bücher. Aber es ist bei Weitem nicht alles gesagt.
Die Zeit läuft…
“Dieses “Rußland” war irgendwie über Jahre ein präsentes Übel.”
So ist es, Katharina. Es war manchmal für uns Kinder zum Kotzen. Sogar auch für die Enkelkinder.
Durlacher
Ich habe in der Antwort Herta Müllers das so verstanden, dass die Fragen, die sie durchaus gestellt hatte, für sie keine befriedigende, sprich literarisch verwertbare Form erkennen ließen.
Was ich noch andeuten wollte: Als Kind von Deportierten hatte man sich irgendwann auch das Recht herausgenommen, sich von den Verkorksungen (so wie das klingt, ist es auch gemeint, krkss, knarrz) der Biographien der Eltern, die einem selbst davon viel zu viel und zur Genüge vererbt haben, freizustrampeln. Dazu kam auch die Hinterfragung der historischen Voraussetzungen, wenn man sich tatsächlich ernsthaft damit auseinandersetzte.
Erst wenn man selber älter (und “reifer”?) und gnädiger mit den Eltern wurde, wenn man sich die nötige Distanz “erstrampelt” hatte, war man bereit, sich mit den Menschen, Eltern im Kontext der vermaledeiten Geschichte auseinander zu setzen.
Zumindest mir ist es so ergangen.
Deshalb ist es auch eine Sache des Eltern-Kind- Verhältnisses, wenn man bereit ist, in nötiger Distanz Gnade walten zu lassen. Oder eben einen Roman zu schreiben.
So sehe ich die Generation der Banater Schriftsteller erst jetzt in einem Alter, wo sie das könnten. wenn es sie nicht kaputt gemacht hat.
Durlacher
Ich will Herta Müller nicht auf ihr Dorf reduzieren. Ohne ihr Weggehen und die erlangte Distanz hätten wir nie diese Sprache erlebt.
Dass unsere Schwaben sich ihr nicht geöffnet hätten, mag im Großen zutreffen.
Sie haben das wirklich nicht gewollt, gekonnt.
Doch in der Masse der Deportierten gab es Personen, die es gekonnt hätten.
Ich habe selbst jemand gekannt, aber (was mir heute noch leid tut) nicht nach Einzelheiten gefragt, weil “Rußland” und die Folgen eine Tragödie für meine Familie war. Dieses “Rußland” war irgendwie über Jahre ein präsentes Übel.
Dass das Wort “gnädig” so ein Reizwort sein kann….(!?)
Kurz: Wir sind uns doch grundsätzlich einig. Herta Müllers Roman ist wunderbar. Er ist ein Ereignis. Die Zusammenarbeit mit Pastior war eine Sternstunde.
Auch soll die Dichterin nicht auf das schwäbische Dorf reduziert werden. Was soll das Bild von der Nitzkydorfer Schneiderin?
Einige Fragen darf man sich schon stellen:
Warum hat erst ein Pastior kommen müssen, damit sich Herta Müller dazu entschloss, das Thema anzugehen?
Warum haben Müller und auch die anderen Schriftsteller die zwei großen Themen “Russland” und “Baragan” ausgeklammert?
Es gab gewiss Möglichkeiten, einer Recherche, die anscheinend nicht genutzt wurde. Schließlich und endlich waren auch Leute in Russland, die etwas zu erzählen und die das Potential dazu hatten, eine(n) Schriftsteller(in) “dichterisch zu laden” (um bei der Physik-Terminologie zu bleiben).
Der Blick auf dieses späte und mit “Nachhilfe” Geleistete darf doch wohl hinterfragt werden? Oder?
Und wenn bei der Antwort auf solche Fragen nur Positives kommt, dann würde ich das Wort “gnädig” schon als berechtigt sehen.
P.S.
Bei der Beantwortung der Fragen, könnte man eine weitere stellen: Warum haben unsere Schriftsteller Florescu ein Thema überlassen, dass sie selbt schon längst und möglicherweise gründlicher “beackert” hätten können.
Mist,
das heißt: daran “gnädig”
Durlacher
Ariel: “Ohne Oskar Pastior kann ich mir keine “Atemschaukel” vorstellen.”
Sagte ich doch: “Es hat nicht jeder die Gabe, so zu erzählen, dass aus dem kollektiven Leiden Einzelschicksale herauszuschälen waren – dass hat die Begenung mit Pastior vielleicht zuwege gebracht.”
Was ist darna “gnädig” Herr Ariel?
Was mich stört:
Dieses ständig bewertende “hätte sie doch so und so zugehört, gefragt, recherchiert … bla bla” – es ist die ewige Unzufriedenheit mit der Schwäbin Herta Müller, die man auf ihr schwäbisches Dorf reduzieren will und ihr nicht verzeiht, dass sie das verlassen hat.
Es hat auch bei mir eine gewisse Zeit gebraucht, bis ich die Geschichten hören WOLLTE hinter dem ewigen “zwei Wochen Russland und du frisst alles” oder “”ihr habt ja keine Ahnung” mit dem meine Mutter uns “erzogen” hat.
Was erwartet ihr? Dass Herta Müller als “Wes Herta” Händchen hätte halten sollen mit einer Mentalität, die aus ihr eine Dorfschneiderin machen wollte?
Ja, glaubt ihr, diese Leute hätten sich ihr so geöffnet? Nie und nimmer.
Weil sie es nicht konnten. Weil sie es nicht gelernt haben. Weil WIR es nie gelernt haben. Und nun mühsam es z. B. hier versuchen und doch oft aneinander vorbeireden!!
Einen schönen Tag. Es ist Frühling, die Sonne strahlt. Wie strahlt sie?
Durlacher
Atemschaukel ist ganz anders geschrieben als die anderen Bücher.
Ein sehr poetisches Buch. Ästhetisch bemerkenswert.
Ohne Oskar Pastior kann ich mir keine “Atemschaukel” vorstellen.
Atemschaukel ist von Herta Müller geschrieben.
Aber kann man wirklich Oskar Pastior wegdenken?
Ohne ihn wäre doch ein ganz anderes Buch entstanden.
So ist es
@ Katharina: “Man muß auch richtig fragen und zuhören wollen.”
Nochmals: Pastior sei gedankt!
Ganz der Meinung Durlachers, dass nicht jeder die Gabe hat, so zu erzählen, dass man aus dem kollektiven Leiden, Einzelschicksale rausschälen kann…
Doch zwischen rumfragen und recherchieren ist ein Unterschied.
Vielleicht ist ihr die Arbeit mit einem Poeten auch leichter gefallen als mit einem Mensch aus einem schwäbischen Dorf, der vielleicht noch nie ein Buch gelesen hat, dafür aber “Rußland” in seiner ganzen Grausamkeit erlebt hat. Man muß auch richtig fragen und zuhören wollen. Das erfordert dann einen anderen Aufwand als freundschaftliche Besuche in einer Berliner Poetenwohnung.
Ist nur so eine Meinung.
Sehr “gnädig” von Ihnen, Frau Durlacher.
Das mag ja stimmen, dass die Mutter nicht die Quelle war, die sie sich wünschte. Doch hätte Herta Müller im Banat Hunderte Frauen und Männer finden können, die ihnen das Bild des Grauens vor Augen geführt hätten. Sie hat einfach nicht recherchiert und das Thema links liegen gelassen, so wie auch die anderen Schriftstellerkollegen.
Einer der beeindruckendsten Episoden ist wohl die mit der Planton-Kathi (aus Bakowa!), wo Leo feststellt, dass die Präsenz der kindlichen behinderten Frau sie davon abhielt, ganz zum Vieh zu werden, zu Un-Menschen.
Durlacher
Ingemar: “Ich glaube sie hätte sich nicht überwinden können, von Banatern die Geschichte der Deportation zu erfahren, geschweige dann von ihrer Mutter.”
Das stimmt so nicht.
Ich habe HM bei einer Lesung erlebt (später auch in Interviews zu lesen), da hat man genau diese Frage gestellt und sie sagte, dass sie NACHGEFRAGT habe, aber als Antwort immer Gleiches zu hören bekam und sie sich konkret kein Bild machen konnte:
“Es war sehr schwer”, “wir haben schwer gearbeitet”, “wir haben viel gefroren” “wir haben sehr viel gelitten”, “Wir wurden in Viehwaggons transportiert”, “Wir hatten großes Heimweh” … das kenne ich auch aus meiner Familie. Nur mein Vater hat die grusligsten Sachen so erzählt, dass wir auch lachen mussten, wie er als 16-jähriger nicht wusste, dass seine Kleider voller Läuse waren oder er mal essen durfte, bis er satt war und er daran fast starb. usw. usf.
Es hat nicht jeder die Gabe, so zu erzählen, dass aus dem kollektiven Leiden Einzelschicksale herauszuschälen waren – dass hat die Begenung mit Pastior vielleicht zuwege gebracht.
Durlacher
In der “Atemschaukel” werden die Orte genannt aus denen die Personen stammen. Und da sind sowohl Orte aus dem Banat erwähnt als auch Orte aus Siebenbürgen.
Wer sich auskennt, kommt nicht auf die Idee, dass es ein Buch über die Deportation der Siebenbürger Sachsen ist. Nur wer keine Ahnung hat, wird so etwas behaupten.
Nie im Leben hätte sich Herta Müller an das Thema als Banater Geschichte herangewagt. Dafür hat sie mit ihrer Banater Geschichte zu sehr gebrochen, zu sehr rebelliert und zu sehr die Nationalisierung der Kriegsgeneration angeprangert. Abgesehen davon, sie hatte ja mögliche Quellen direkt im Haus. Ich glaube sie hätte sich nicht überwinden können, von Banatern die Geschichte der Deportation zu erfahren, geschweige dann von ihrer Mutter. Obwohl bei der Mutter sicher noch andere Gründe eine Rolle spielen.
Daher ist die Lösung wie sie in Atemschaukel vorkommt sehr neutral. Ich weiss grad nicht, wird irgendwo erwähnt, dass der “Hauptakteur” Sachse ist?
Wenn Herta Müller von anderen vereinnahmt wird, dann müssen wir damit Leben. So gerne ich eine Banater Schriftstellerin Herta Müller hätte, sie ist und bleibt eine Rumäniendeutsche Autorin. Das werden wir nicht mehr ändern können.
Die “Atemschaukel” ist eindeutig das Werk von Herta Müller. Wenn die Siebenbürger Sachsen (natürlich werden es nur einige sein) was anderes sagen, dann lügen sie sich in die eigene Tasche.
Dennoch hätte ich eine Frage, die ich in den Raum stellen will, und deren Beantwortung wohl nicht einfach ist:
Hätte Herta Müller ohne Pastior sich an dieses Thema herangewagt? Die Russlanddeportation ist doch in jedem Banater Haus bekannt gewesen. Und dennoch haben “unsere” Schriftsteller einen Bogen herum geschlagen.
Pastior – das ist meine Meinug – sei gedankt dafür, dass er Herta Müller dafür gewinnen konnte.
HM aus Siebenbürgen! Und dies von einem seriösen Blatt editiert.
Das bestärkt die These, dass die Journalisten noch nie so dumm gewesen sind wie
2011!
Andererseits leuchtet das manchen Natives ein, zumal viele Sachsen nicht aufhören zu behaupten, dass sie das auserwählte deutsche Volk in Rumänien
waren, die Denker und Lenker.
Alle anderen Deutschen waren mehr oder weniger Mitläufer, Menschen ohne
Rückgrat. Was Pastior anbelangt, sind die Sachsen eh der festen Überzeugung,
dass die “Atemschaukel” zu 90% von ihm stammt, HM eher eine
Sekretärinnenfunktion einnahm.
Der Nobelpreis an eine Banatdeutsche-ein Unfall der Geschichte!
http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/hamburgschleswigholstein_nt/article13029680/Ein-
Herta Müller stammt aus Siebenbuergen!
Deshalb kennt sie sich mit dem Bahnhof in Poiana Brasov so gut aus.
Das mit dem Bahnhof haben natürlich ihre Gegner groß diskutiert. Herta trifft weder eine Schuld für den Fehler mit dem Bahnhof noch für diese Info über ihre angebliche Herkunft hier.
Es sind die Journalisten, die leichtfertig und unbekümmert den Lesern solchen Salat anbieten!
Herta Müller ist eine deutsche Schriftstellerin. Durch die Themen ihrer Bücher ist sie jedoch mit Rumänien verbunden. Der Einfluß auf Autoren aus Rumänien oder aus dem Osten allgemein bleibt somit nicht aus.
Dass nun Herta Müller Nobelpreisträgerin ist, verstärkt klar ihre Rezeption dort und anderswo.
Die These Adamesteanus ist nicht gerade einleuchtend. HM hat einen Rieseneinfluss auf alle Ost-Autoren, insbesondere auf die rumänischen.
Schließlich schreiben sie über dieselbe Thematik.
Gabi sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Ist ja klar.
Auch wenn Sie über Rumänien spricht oder schreibt/schrieb, Sie ist Teil des deutschen Kulturkreises, schreibt deutsche Literatur….