Finanzierungsnot und Produktionsstaub

30. August 2010
von

Reschitzaer Großwerke stehen einstweilen still / Von Werner Kremm

Sicher ist zur Stunde: Bis Ende August wird keiner der 3600 Arbeitnehmer der beiden Reschitzaer Großwerke, dem Stahlwerk TMK und dem Maschinenbauwerk UCMR, zur Arbeit kommen können. Im Stahlwerk darf die Arbeit aus Umweltschutzgründen nicht wieder aufgenommen werden, bevor die Entstaubungsanlage nicht generalüberholt ist und funktioniert – dafür sorgt die Umweltschutzgarde, die das Werk vor der zeitweiligen Schließung auch noch mit einer Geldstrafe von 3000 Lei belegt hat. Im Maschinenbauwerk UCMR kann die Produktion nicht wieder aufgenommen werden, bevor die Verhandlungen mit Hidroelectrica nicht abgeschlossen sind und frisches Kapital zur Produktionsfinanzierung reinkommt. Denn (auch) dort sind die Auftragsbücher angeblich voll. Nur finanziert ihnen keiner die Produktion vor.

Fakt bleibt, dass die 3600 Arbeitnehmer (800 im Stahlwerk und 2800 im Maschinenbauwerk) seit dem 15. August entweder Urlaub machen müssen oder im „technischen Ausstand“ sind, also 75 Prozent ihres Monatslohns bezahlt bekommen, weil das Maschinenbauwerk außerstande ist, seine Produktion vorzufinanzieren. Jivomir Tovladinat, Leiter der in den 90er Jahren so aktiven Gewerkschaft „Resita 1771“, erklärte gegenüber der Presse, dass er nach Gesprächen mit der Unternehmensleitung für die Situation Verständnis habe: „Wir haben keine andere Wahl. Wir wissen, dass an der Assoziierung mit Hidroelectrica gearbeitet wird, was bei Erfolg letztendlich Kapitalerhöhung und automatisch auch Produktionsfinanzierung bedeutet. Die Assoziierung hätte zur Stunde bereits abgeschlossen sein müssen, aber was wird in Rumänien schon plangemäß durchgeführt?! Verspätungen gibt es immer, meist wegen der Bürokratie. Wir hoffen nun, dass das Ganze bis Ende August über die Bühne gegangen ist.“

Optimistischen Prognosen zufolge könnte das Reschitzaer Maschinenbauwerk UCMR Mitte September seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Wenn bis dahin Hidroelectrica die Assoziierung abgesegnet und das Beteiligungskapital überwiesen hat.

Von dieser Assoziierung hat der Generaldirektor des Maschinenbauwerks, Adrian Chebu]iu, schon vor Ende des vergangenen Jahres gesprochen. So abwegig ist diese ja auch nicht, zumal eines der Standbeine des Reschitzaer Werks UCMR Group der Bau von Wasserturbinen ist.

Das Großwerk ist nach seiner Privatisierung durch die Schweizer INET AG in mehr als ein Dutzend Profitzentren aufgesplittert worden – eben die UCMR Group -, doch so richtig in Gang gekommen ist es bislang noch nie. Allein die Fahrradfabrik „Velocity“, eine Zusammenarbeit mit Chinesen hauptsächlich für den französischen Markt, und die Lagerschalenfabrik „Mibarom“ (hervorgegangen aus einer ursprünglich österreichischen Investition) haben ihre Tore gegenwärtig noch offen und scheinen relativ reibungslos zu funktionieren.

Dass die Assoziierung mit Hidroelectrica nur schwer zu einem Ziel kommt, das mag auch daran liegen, dass die 2000 – 2004 mit so viel Schwung begonnene Wiederaufnahme des Baus von Wasserkraftwerken gegenwärtig wieder – ebenfalls aus Geldmangel – stagniert. Und das gesamte Konstrukt UCMR Group (allen Anzeichen nach: einschließlich der Kauf des Maschinenbauwerks) fußte auf der Hoffnung eines Wiederaufschwungs des Wasserkraftwerkbaus in Rumänien bzw. des Fertigbaus von schon vor 1989 begonnenen staatlichen Bauprojekten in der Wasserkraftnutzung. Das Projekt wurde unter der PSD-Regierung 2000 – 2004 zwar konzipiert und mittels Staatsgeldern auch lanciert, der Erstaufschwung flaute aber unter der PNL-Regierung ab und kam unter der jetzigen PDL-UDMR-Regierung des Emil Boc zum Stillstand.

Braucht Reschitza eine Industriewasserleitung?

Zwei Objekte sind gegenwärtig Gegenstand von Übernahmeverhandlungen mit der Stadt Reschitza. Das vorgebliche Symbol von Reschitza, die Industrieseilbahn, welche das Bersautal am Rand des Stadtzentrums überquert, ist der Stadt schon seit rund sechs Jahren vom Stahlwerk TMK zum Kauf angeboten worden und diese hat sich auch schon Pläne gemacht, was sie damit anfangen könnte. Bürgermeister Mihai Stepanescu hat angekündigt, dass der Freizeitpark – von dem er träumt, ihn auf dem Platteau oberhalb der Stadt errichten zu können – mit dem Raum um den Südbahnhof mittels einer Promenade verbunden werden könnte, welche die Stahlstrukturen der Industrieseilbahn nutzt. Das alles ist schön und gut – und die Industrieseilbahn hätte die Stadt in der Privatisierungsphase auch gratis haben können –, doch es fehlt am Wichtigsten, am Geld, um das umzusetzen. Oder an einem geeigneten Investor.

Die andere Diskussion ist neu: Die Industriewasserleitung, die zur Gießerei des Maschinenbauwerks führt – neuerdings „unabhängiges Profitzentrum“ UCMR Turnate genannt – ist ebenfalls der Stadt angeboten worden. Und das wird in der Stadt als schlechtes Vorzeichen gewertet. Denn ohne Kühlwasser kann keine Gießerei auskommen und wenn die UCMR Group die Industriewasserleitung zum Verkauf anbietet, könnte das auch auf ein Aufgeben der Fabrik in der Fabrik hindeuten: Dass das Maschinenbauwerk nämlich auf die Gießerei verzichten, diese schließen könnte. Oder, optimistisch gesehen, die Hallen am Standort Mociur sollen eine andere Verwendung finden. Fakt ist, dass UCMR Group die Verkaufsverhandlungen mit der Stadt Reschitza eröffnet hat. Hauptfrage bleibt: Was soll die Stadt mit einer Industriewasserleitung anfangen, die zu einem bestimmten Zweck entstand und kaum anders genutzt werden kann? Für die Industrieseilbahn von TMK gibt es zumindest Pläne…

TMK ab September staubfrei

Etwas übersichtlicher ist die Lage im Stahlwerk TMK, wo man sich unter der Leitung von Generaldirektor Romulus Vasile Ioan auch weniger bedeckt hält als im Maschinenbauwerk. Hier hat man es immerhin geschafft, gut ein Jahr lang mit der defekten Entstaubungsanlage zu fahren, ohne dass die Proteste der Anwohner sonderlich in Betracht gezogen worden wären. Ein Gewerkschaftsführer im Stahlwerk glaubte sich sogar völlig im Recht, als er bemerkte: „Nichts Schlimmes, eher so, als wenn Sie zu Hause den Staubbeutel des Staubsaugers ausschütteln!“

Erst eine Intervention der Stadtleitung bei der Umweltschutzgarde brachte dann den Produktionsstopp und die gegenwärtig noch laufenden Umbauarbeiten der Entstaubungsanlage.

Generaldirektor Ioan: „Ich musste die 800 Leute in Urlaub schicken oder, wo das der Fall war, ihnen die abgearbeiteten Überstunden als freie Tage gewähren. Hundert Arbeitnehmer sind mit der Generalüberholung der Entstaubungsanlage und dem Ersetzen der schlecht funktionierenden Staub-Auffangsäcke beschäftigt sowie mit der Montage des neuen Rauchabzugs. Ich hoffe, dass wir mit Septemberbeginn wieder voll und staubfrei arbeiten können.“

Quelle: ADZ
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3 Responses to Finanzierungsnot und Produktionsstaub

  1. solala am 6. Februar 2011 um 12:05

    @ingemar,
    danke für die Auskunft.

  2. Ingemar am 6. Februar 2011 um 11:50

    @Solala
    Das war nur Spam. Daher habe ich es gelöscht. Vom Verfasser wirst du wohl nicht viel objektives erfahren können.

    Liebe Grüße
    Ingemar

  3. solala am 6. Februar 2011 um 09:03

    @Dr. Marlies Stockmann,
    verstehe ich das richtig, dass Sie selbst Erfahrungen gemacht haben mit dem Unternehmen des Dr. Werner? Wenn ja, möchte ich gerne mit Ihnen in Verbindung treten.

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