Ein sensibler Porträtist

12. März 2010
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Zur Ausstellung Arthur Coulin im Brukenthalmuseum / Von Hannelore Baier

Die „Burzenländer Bäuerinnen“ sind oft zu sehen gewesen. Das Gemälde gehört der Kollektion des Brukenthalmuseums an und war in mehreren Gemeinschaftsausstellungen siebenbürgischer Maler präsent. Bekannt ist das Porträt von Josef Haltrich (im Besitz der evangelischen Kirchengemeinde Schäßburg/Sighisoara), von dem wenige wissen, dass es von Arthur Coulin gemalt wurde. Auf Hermannstadts Straßen blickt derzeit das „Mädchen mit blauer Schärpe“ (aus der Sammlung des Siebenbürgischen Museums, Gundelsheim) die Vorbeigehenden vom Plakat freundlich an. Dieses weist auf die Ausstellung Arthur Coulin (1869-1912) hin, die bis zum 25. April im Bruken-thalmuseum zu sehen ist. Sie umfasst neben den eingangs erwähnten Gemälden selbstverständlich weitere sowie Studien des Malers und in zwei Schaukästen Fotos und Briefe. Die Werke stammen aus den Kollektionen der beiden genannten Museen sowie des Kronstädter Kunstmuseums, wo die Exposition Ende des vergangenen Jahres ausgestellt war, aus dem Eigentum evangelischer Kirchengemeinden und der Orthodoxen Metropolie Siebenbürgens sowie privaten Sammlungen in Rumänien und Deutschland.

Die Arthur Coulin gewidmete Ausstellung im Brukenthalmuseum wurde von Dr. Iulia Mesea kuratiert. Es handele sich um einen in seiner Zeit modernen Künstler sagte sie, der sich dem Kunstgeschehen in Europa mit Talent und Empfindsamkeit angeschlossen hat und sich auch theoretisierend und organisatorisch ins Kulturleben einbrachte. Mittels der Ausstellung soll die Bedeutung Coulins für die Entwicklung der siebenbürgischen Kunst vergegenwärtigt werden, sein Schaffen unter neuen Gesichtspunkten dargestellt und dem Publikum nach fast vierzig Jahren wieder zugänglich gemacht werden.

Zusammengetragen wurden die Werke Coulins aus verschiedenen Teilen der Welt, sagte Marius Tãtaru vom Siebenbürgischen Museum bei der Vernissage. Zu sehen sind sie im Blauen Stadthaus im sogenannten Mehrzweckraum der Galerie der rumänischen Kunst, der in jenen Räumlichkeiten eingerichtet worden ist, in denen am Ende des 19. Jahrhunderts und bis zum Ersten Weltkrieg die siebenbürgisch-sächsische Kulturpolitik unter Beteiligung Coulins gemacht wurde. In diesen Räumen traf er unter anderen Emil Sigerus, der die ersten großen Ausstellungen in Siebenbürgen organisierte und Gründer des „Sebastian-Hann-Vereins für heimische Kunstbestrebungen“ war, zu dessen Gründungsmitgliedern Coulin gehörte.

Veranstaltet wurde die Ausstellung anlässlich des 140. Geburtstags von Arthur Coulin. Das Licht der Welt erblickte dieser im September 1869 in Hermannstadt. Während der Schulzeit nahm er Zeichenunterricht bei Carl Dörschlag. Zu seinen Kollegen gehörte Octavian Smigelschi, mit dem er ab 1904 dann beim Ausmalen der orthodoxen Kathedrale in Hermannstadt zusammengearbeitet hat. In dieser Zeit porträtierte er Erzbischof Metianu. Das Gemälde ist nun hier ausgestellt. 1889 ging Coulin an die Königliche Bayerische Akademie der Bildenden Künste, musste sie aber wegen Geldmangels zwei Jahre später verlassen. 1887 hatte er erstmals an der Kunstausstellung in Hermannstadt teilgenommen, erst mehr als zehn Jahre später wird sein Talent anerkannt und er erhält ein Stipendium, das ihm Aufenthalte in den Künstlerkolonien in Baia Mare und Cervara di Roma ermöglicht. 1901 ließ er sich mit seiner Frau Olga, geborene Fogarascher, in Kronstadt nieder, wo sie als Geigerin Anstellung erhalten hatte. Olgas Porträt ist in der Ausstellung zu sehen. Mit Adolf Meschendörfer und Ernst Kühlbrandt gründet er 1903 die Gesellschaft der Kunstfreunde und wird Meschendörfers Mitarbeiter bei der Zeitschrift „Die Karpathen“. Es gelingt ihm, Reisen nach Berlin, München und Budapest zu unternehmen und an zahlreichen Ausstellungen teilzunehmen, darunter an der großen Kunstausstellung 1910 in Berlin. Coulin stirbt 1912 in Heidelberg.

Arthur Coulin war ein sensibler Porträtist. Eine besondere Gabe hatte er wohl bei der Wiedergabe der ausdrucksstarken Augen, was die porträtierten Personen – Familienmitglieder, die Künstlerkolleginnen Margarete Depner oder Edith Soterius, Mitstreiter im Bemühen um das Kulturleben – unheimlich lebendig erscheinen lassen. Die Ausstellung umfasst vorrangig Porträts, vorhanden aber sind auch einige Akte und je eine Ansicht von Kronstadt und vom Großen Ring in Hermannstadt. Einfühlsamer noch als die Gemälde wirken die Studien, einige davon in Kohle gezeichnet.

Zusammengestellt worden ist zur Ausstellung auch ein umfassender Katalog, der wegen Geldmangels nicht gedruckt, sondern auf die Webseite des Kronstädter Kunstmuseums gestellt wurde.

Quelle: ADZ
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