So ich hoffe ihr seid jetzt alle so weit und habt “Belüge mich” von Richard Wagner fertig gelesen. Wer es noch nicht hat, die Diskussion startet trotzdem. Nächsten Monat machen wir uns dann an ein anderes Buch. Ich möchte euch daher bitten, in den Kommentaren zu diesem Artikel euch wirklich nur auf Richard Wagners “Belüge mich” zu beziehen. Also alles was mit dem Buch zu tun hat.
Ich persönlich war von dem Buch eher enttäuscht. Ich bin von Wagner besseres gewohnt. Sprachlich ist es wie immer gut, bis auf ein paar Abgleitungen in denen der Erzähler sehr erzählerisch wirkt. Aber was mich eher gestört hat ist die wirklich sehr stark konstruierte Geschichte. Da treffen sich zwei in Frankfurt und verlieben sich, deren Väter bzw. Großväter schon sehr tief miteinander verbunden waren. Und dann in Rumänien geht es grad so weiter. Mir ist das alles ein bisschen zu viel, und ich glaube etwas weniger wäre hier mehr gewesen. Auch nimmt die Geschichte manchmal Wendungen, die dem Buch in meinen Augen nicht gut tun. Es sind einfach zu viele Erzählstränge, die Wagner hier versucht zusammen laufen zu lassen.
Dabei ist es ein wirklich sehr spannendes Thema. Vor allem die Übergangszeit von Nationalsozialismus zur sozialistischen Diktatur lohnt sich näher betrachtet zu werden. Genau wie der Übergang aus der Diktatur in die Demokratie. Doch hätten hier zwei Bücher ihren Zweck besser erfüllt als eins.
Nichtsdestotrotz ist “Belüge mich” wie jedes Buch von Richard Wagner eine klare Leseempfehlung. Es macht Spaß seinen Worten zu folgen und wenn man mal angefangen hat ist es schwer das Buch wieder aus der Hand zu legen. Am Ende war ich aber im Vergleich zu den anderen Büchern Richard Wagners etwas enttäuscht und unbefriedigt.
Weitere Meinungen.
Katharina: Gedanken zu “Belüge mich”
“Jemand sieht etwas, und es ist nicht das, was du iehst.” So beginnt Wagner seinen neuen Roman.
Es ist nunmal so, dass jeder von uns das gleiche Bild oder den gleichen Satz anders wahrnimmt und sich eine Meinung formt, die nur seine ist, im Glücksfall mit anderen Meinungen Ähnlichkeiten aufweist. So werden sich die Meinungen über dieses Buch auch eher unterscheiden als ähneln.
Oberflächlich betrachtet, wenn man bestimmte Sätze in Wagners Geschichte zu sehr betont, hat man eine Minute lang den Eindruck, ein beliebiges Buch aus der Bahnhofsbücherei erwischt zu haben. Zum Beispiel: “Was ich dort mache? Du wirst staunen. Eine Zeitschrift mache ich dort. … Ja, eine Frauenzeitschrift. Ein Magazin für die urbane rumänische Frau.” Das könnte glatt auch aus einer dieser Mainstream-Zeitschriften oder aus irgendeinem dieser Büchlein sein, die mit großer Literatur nichts zu tun haben.
Erst beim Vertiefen des Textes, des ganzen Textes, der Geschichte überhaupt, merkt man den Unterschied zu dem erwähnten Produkt. Abgesehen davon, dass Wagners Stil unverkennbar ist und er seine “Location” im heimatlichen Rumänien wählt, verrät das Buch die Intention, die Nachwirkungen und Spuren einer zum Teil toten Welt im Heute zu verdeutlichen.
Die Geschichte schließt drei Generationen in ihren Kreis ein und bemerkt die Verbindungen und Verwicklungen der Personen und die Tragik, die zum Scheitern führt. Sandra kommt als halbes Kind in den Westen, wird integriert in diese Welt, die ein Gegensatz zu ihrer Herkunftswelt ist und als nach einigen Jahren die Freiheit drüben Einzug hält, soll Sandra dort Starthilfe geben. Genauer gesagt, sie soll mithelfen eine neue Frauenzeitschrift auf den Markt zu bringen. Doch begibt sie sich, ohne das zu ahnen, in Räume ihrer eigenen und anderer Vergangenheit.
Zunächst denkt sie ihr Wissen drüben einzubringen und auch dem untreuen Freund zu entkommen. Was dann folgt hat mit dem in München gedachten Bildern nichts mehr gemeinsam. Sie trifft auf alte Bekannte, die sich in der neuen Freiheit zu arrangieren versuchen.
Ziemlich blass finde ich das skizzierte Bild von Bukarest, als Sandra aus dem Hotel geht und die Gegend erkundet. Fast nichts oder zu wenig deutet auf Bukarest hin. X-beliebiger Ort. Nichtssagend.
Alles beginnt im Zeichen des Tangos zu stehen, nachdem Sandra ihre Jugendbekanntschaft Marcel trifft. Marcel ist der Sohn eines Privilegierten der Kommunistenzeit und auch Ehemann ihrer ehemals besten Freundin. Zufällig ist diese Vicky auch bei der neuen Zeitschrift. Zu viele Zufälle? Und schon denkt man wieder an diesen Kitsch in den Billigromanen. Billig scheint auch dieser schnelle Trip in Sandras Hotelbett. Und im Anschluß steht im Buch etwas, was eigentlich nichts mit der Wirklichkeit mehr zu tun hat. Ceausescus Tod hat nicht die Leute zum Bleiben gebracht. Millionen Rumänen haben das Land verlassen.
Doch nicht vergessen, es ist alles ein Roman. Eine Art Roman soll auch das von Vicky gefundene Manuskript sein. Doch das ist es nicht.
Sandra läßt sich von Marcel unterstützen und erfährt im Laufe der Zeit immer mehr Wahrheiten über die Vergangenheit ihrer Familie. Nichts Schönes. Ihr Zweitname Lauretta wird nicht nur Name der Zeitschrift.
Lauretta war eine Gesellschaftsdame vor dem Krieg, Tangotänzerin, von Männern begehrt. Von dem Tangosänger Savin, dessen Sohn Sandras Freund wurde, aber auch von Sandras Großvater oder dem Bruder ihrer Großmutter, Albu. Albu, der für die Secu arbeiten wird. Lauretta wird am Gift sterben und es blieb unklar, ob es Mord oder Selbstmord war. Auch Albu wird umkommen. Viel später. Nach der Wende. Sein Tod am Schwarzen Meer läßt an den Tod des Dichters Dan Desliu denken. Der Tango, die Worte des Tangoliedes “Belüge mich”, die von vielen begehrte Lauretta.
Es geht im Roman immer um das und eigentlich nur vordergründig. Im Hintergrgrund geht es um Menschen, die in verschiedenen Zeitabschnitten und unter verschiedenen Regierungen ihren Weg suchen und eigentlich scheitern beziehungsweise nicht wirklich gewinnen. Sandra wird nicht die Geschichte der Lauretta Luca schreiben sondern Vicky. Marcel stirbt wie einst Lauretta. Vergiftet. Sandra gerät unter Verdacht. Und gerade ihr Freund Remus, der Sohn des Tangosängers, wird ihr beistehn.
Stellenweise ein Hauch von Bollywood hat man das Gefühl. Aber nur immer stellenweise, weil insgesamt ist der Roman dann doch nicht Kitsch. Sandra wird freikommen, darf nach Deutschland zurück, Remus zieht wieder zu ihr. Als wäre nichts geschehen. Doch der Autor läßt ahnen, dass alles nur wie eine Pause vor einer neuen Dramatik ist.
Insgesamt zwar eine Geschichte mit gewissem Anspruch, aber stellenweise immer ins Seichte gerutscht.
Ich finde Wagner als Essayschreiber weitaus besser und auch als Romancier hat er schon Besseres geliefert. Vielleicht liegt die Erklärung darin, dass die Geschichte und der Ort dann doch zu fern und fremd dem Autor sind. Gefühlsmässig vorallem.
Gerd
Ein großer Wurf, mit tausend unbeantworteten Fragen unserer neueren Geschichte, ein Labyrinth im Geflecht von Schuld und Sühne. Sprachlich ein Meisterwerk, kühl und kalt, in kurzen, präzisen Sätzen steht der Erzähler über dem Geschehen. Es war ein einzigartiger Lesegenuss, der alte und neue Probleme aufwirft,aber auch brandaktuelle Streifzüge nicht außer acht läßt: “Das Trommelfeuer des Boulevards kennt keine Gnade.”
Unser BILD-Boulevard erhebt einen Blender zum Helden, WIR SIND BILD!, wir wollen ständig belogen werden, von der Lüge berieselt, schwimmen wir im Glück. Der Irrsinn der Geschichte, die windige Welt der Wendehälse, heute Faschist, morgen Kommunist, übermorgen Geheimdienstler gegen Faschismus und Kommunismus, Bolschewist, Anarchist…niemals einer Ideologie treu, immer bemüht die Sonnenseite zu erwischen.
“Wissen Sie, worin die Kunst des Überlebens besteht? …In der Fähigkeit, im richtigen Augenblick den geordneten Rückzug anzutreten.” Die Hoffnung wird auf die junge Generation gesetzt, die Enkel der schuldig Schuldigen, der unschuldig Schuldigen gesetzt: ” Unsere Aufgabe ist es, hier und jetzt die Demokratie aufzubauen..” Einen wahnsinnigen Fortschritt ins Reich der autoabhängigen Welt ist schon zu verzeichnen: ” Mit einem Ruck springt der Wagen an.” Stammtischparolen dürfen auch nicht fehlen: “…die jetzt mit EU-Geldern fleißig ausgeschmückt werden.” Der Profit, den der Westen aus Rumänien geschlagen hat, bis es eine Kolonie des IWF wurde, erwähnt niemand. Die ewige Überheblichkeit des Herrenmenschen bleibt ungebrochen: “So ist das in Bukarest.” Das saftig-kraftvolle Fluchen, das die rumänische Sprache ermöglicht, wird dem Taxifahrer zugeschrieben: “…indem sie gegenseitig die Mösen ihrer Mütter abqualifizieren.” Der Umsturz wird eine “vorübergehende Gemengelage” genannt, so wird der Heldenmut des kleinen Mannes, der als Marionette der Drahtzieher im Hintergrund die Drecksarbeit verrichten darf, krass proletarisiert. Dem Prekariat, dem ewigen Opfer, ist doch so etwas nicht zuzutrauen. “Die Kultivierung des Beiläufigen” -als verbaler Bakschisch- ist mir persönlich jedoch lieber als der unpersönliche small-talk unserer Tage.
Ohne die Kommunisten wäre uns viel erspart geblieben, aber auch den Faschismus hat unser Schicksal nicht verdient. Aber wurde das erste Übel nicht erst durch das zweite ermöglicht? Wäre ohne die Kommunisten in unserer Heimat nicht jeder Schuster bei seinen Leisten geblieben, die Übeltäter waren halt unsere Sozialdemokraten, “Bildung für alle” (heute ist bloß Bild geblieben+Studiengebühren) eine Tatsache, die so mancher vergißt. Wie tief war der Prozentsatz der Akademiker 1945 und wie hoch war er 1989? Wäre ohne Faschismus und Kommunismus “unser Banat” nicht die nicht einegetroffene Vision H. Kohls von den “blühenden Landschaften”?
Das Buch hat die Fragen aufgeworfen, die Antwort muss jeder Einzelne selbst finden. Denn man kann nicht “…Türen verschließen und vergessen, dass dahinter Zimmer liegen, Räume, die man zwar nicht betritt, die aber trotzdem Teil des Hauses bleiben.” Es werden geschichtliche Ereignisse erwähnt, die nur noch in der Hinterkammer meiner Erinnerung schlummerten, so wie das Verlegen von Kafka Ende der Sechziger. Und mit der Forderung Kafkas will ich schließen:”Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.” Richard Wagner hat diese Axt meisterhaft geschwungen.

Sehr geehrte Frau Schaden,
Ich kann Ihre Enttäuschung nachempfinden, aber Ihre Reaktion deutet darauf hin, dass Sie sich gar nicht vorstellen können, was für ein Kreuz Herr Wagner zu tragen hat.
Parkinson hat man tatsächlich nicht im Kopf, aber dafür wird der Körper lahm gelegt, und zwar gerät man unerbittlich und unaufhaltsam in ein Siechtum hinein, wo das Wort “gebrechlich” den tatsächlichen Zustand noch gnädig umwölkt. Es ist wie ein Gerädert-Werden in Zeitlupe, ein täglicher Kampf des hellwachen Verstandes mit den immer debiler reagierenden Gliedern.
Das sagt sich so leicht dahin “Parkinson hat man nicht im Kopf”…
In meiner Familie habe ich zwei Fälle (einer noch in Rumänien ohne die nötigen Medikamente, er verstarb während der Wende), dazu die Mutter eines Freundes, die erlöst ist inzwischen. Es ist eine furchtbare Krankheit, die Betroffenen haben eine Lebenserwartung wie Gesunde, d. h. man kann sich ziemlich genau ausmalen, wie lange man zu leiden hat. Ein Onkel hat sie schon seit über 25 Jahren.
Am Anfang helfen die Medikamente sehr, aber auch auf die muss man eingestellt werden und muss sie vertragen. Wohl dem, bei dem diese Krankheit erst im hohen Alter ausbricht. Nur ALS (amyotrophe Lateralsklerose) ist noch schlimmer.
Ich hoffe und wünsche es Herrn Wagner, dass er die nötige Pflege hat, das nötige Kleingeld, um seinen Alltag zu meistern, ich wünsche ihm, dass er einen Gehirnschrittmacher, der was Tolles ist, sich leisten kann und dann aber auch verträgt, nicht so wie mein Onkel, dem es kurzfristig erstaunlich besser ging mit dem implantierten Gerät und das dann schon nach kurzer Zeit eine Infektion hervorrief und entfernt werden musste.
So nehme ich an, dass es Herrn Wagner nicht berauschend geht, wenn er nicht da war, wo er erwartet wurde. Sicher ist es schade, aber noch viel mehr, dass er sich mit dieser Pest herumplagen muss. Ich wünsche ihm gute Freunde und starke Begleiter.
Durlacher
Heute sollte Richard Wagner im Odeon aus seinem Buch “Belüge mich” lesen, doch ließ er sich krankheitshalber entschuldigen. Das gilt aber nicht wirklich, denn Parkinson hat man nicht im Kopf. Ich habe ihn vor Jahren in Temeswar gehört und wollte ihn meinen Wiener Freunden bekannt machen. Schade
kurzes Resumee: ich fand “Miss Bukarest” besser. Vom Schreibstil, von der Story, o.k. konnte mir das glaubhafter vorstellen.
Das buch von der Zarza ist mir doch irgendwie gestelzt vorgekommen. Wagner schreibt über eine Zeit und über Milljöhs, die er nicht kennen kann, außer vom Hörensagen oder Lesen. Es kommt nicht rüber, bei mir jedenfalls nicht.
@Gerd
Wagner der großartige Autor hat Wagner den Verfasser politischer Streitschriften nicht im Griff. Kurz gesagt Schuster bleib bei deinen Leisten oder Wagner bleib bei deiner Literatur.
Ist nicht meine Meinung, aber so verstehe ich die Aussage.
Das nervt, wenn ein Mensch als Ex von …wahrgenommen wird, obwohl er selbst viel zu bieten hat.
Stört mich auch, wenn eine Frau wie das Anhängsel des Mannes gesehen wird…
(Einige sind dann doch nur das Anhängsel!)
Auf google kommt einem immer der andere Wagner vor Augen, der eigentlich Wilhelm Richard heißt.
Katharina, ab und an habe ich Wagners Artikel in den zwei Tageszeitungen des Frankfurter Raums gelesen, ob er einen “Draht” zu München hat, weiß ich nicht. Sicher wird er im “Raum” von achgut.com mehr wahrgenommen, ich gehe aber davon aus, dass deren Leser nicht unbedingt die “Welt” lesen …
Oder ihn dann schon eher als Ex von der Herta Müller wahrnehmen.
Und wenn man googelt, dann wird man zuerst von einer Menge Seiten erschlagen, die mit dem Götterdämmerung- und Nibelungen-Richard Wagner zu tun haben…
Durlacher
Guten Morgen, Durlacher.
“Der deutsche Horizont” ist eines der besten Bücher Wagners, wenn nicht gar das Beste.
Sicher ist alles Geschmacksache.
“Der leere Himmel…” möchte ich unbedingt auf die Liste setzen.
“Das reiche Mädchen” hat es mir auch angetan.
Was mich immer etwas verwundert, ist, dass ich hier in Bayern öfters höre: Wagner kennt keiner.
Die meisten Leute sind Herta Müller Fans. Auch wegen dem Nobelpreis.
Guten Morgen, Katharina,
es ist eben Geschmackssache. Und bei politischen Essays kommt die eigene politische Richtung dazu (wie vielleicht auch bei Breidecker von der SZ ?), ob man das mag.
Wie schon erwähnt, mir hat das “reiche Mädchen” von den Romanen am besten gefallen.
Aber “Der deutsche Horizont” ist Spitze.
Durlacher
Danke Durlacher für den Link.
Katharina Kilzer schrieb in der Banater Post über Wagners Buch “Belüge mich”.
Sie hat eine völlig andere Meinung über das Buch und wie sie das rüberbringt! Schon könnte man denken sie hätte ein ganz anderes Buch gelesen!
Was der Autor auf Achgut.com oder in der NZZ (nur ein Beispiel) schreibt, finde ich meistens besser geschrieben. Er ist nicht ahnungslos oder uninspiriert.
Der letzte Artikel auf achgut.com zeigt, dass er in Sache Politik eine gute Brille besitzt.
Ich denke, der Roman “Belüge mich” wird nicht das letzte Buch sein. Wenn ich an seine anderen Bücher (die meisten habe ich gelesen) denke, bin ich fast überzeugt, der Autor wird uns noch großartig überraschen.
Vielleicht ist er nicht auf seiner politischen Linie… “achgut.com” polarisiert.
Ich versteh das so: sich nicht im Griff haben = übertreiben…
Durlacher
“Schade ist allerdings, dass der Autor, dem stellenweise großartige und beinahe lyrische
Passagen, dichte, bildhafte Beschreibungen und
wunderbare Sätze in aphoristischer Verknappung
gelingen, den Verfasser politischer Streitschriften, der er ebenfalls ist, nicht im Griff hat.”
Rezension von Volker Breidecker in der SZ von heute
Das ist zu hohe Philosophie für mich. Was soll hier angedeutet werden? Was soll Wagner nicht im Griff haben?
Für Katharina und alle Interessierten:
Wieder ein gelungener Artikel von Richard Wagner:
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/schattenmacher_westerwelle/
Durlacher
danke Katharina, für den Link.
Das ist wieder sehr gut von Richard Wagner.
Ich wünschte, er nimmt unsere Glückwünsche wahr. Ich wünschte ihm, bei dieser Art zu schreiben zu bleiben, er ist da großartig. Sein letzter Roman hat mir leider nicht so gut gefallen – sagte ich schon. Ich habe bloss die Wut in mir gespürt, die ich immer habe, wenn ich an den Satz denke “Fanarul ne omoare” – und wenn das bei ihm im Roman Deutsceh sein sollen, das finde ich ungerecht. Diese levantinische Stadt Bukarest lässt einen ahnen, wie klein Mitteleuropa mit seinen -relativ- klaren Verhältnissen ist und wie groß, schillernd, vulgär und unberechenbar “Maghrebinien”, an dem wir scheitern.
Durlacher
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_gruene_ingenieur/
Neues von Wagner.
Bedauerlich, dass unsere Diskussion über Wagners Buch so verlief. Ich bin keine Literaturexpertin und maße mir auch nicht an, über Literatur viel zu wissen. Viel mehr habe ich daher die Meinungen der anderen User erwartet. Es war reichlich wenig. Alma zum Beispiel äusserte sich gar nicht.
Ich hoffe, dass wir von Wagner noch andere Bücher erwarten können.
Da Richard Wagner heute Geburtstag hat, wünsche ich ihm, dass er mal wieder diesem komischen Schatten (Ex von Herta Müller!) entkommt und seiner Bücher wegen wahrgenommen wird.
Er hat zwar keinen Nobelpreis bekommen, aber ein guter Autor ist er schon lange!
Die besten Glückwünsche zum Geburtstag!
http://www.rfi.ro/articol/stiri/cultura/minte-ma-noul-roman-semnat-richard-wagner
naja eine Gefälligkeitsrezension von Totok. Alte Seilschaften eben auch.
vom Aufbau her erinnert mich das Buch an “Miss Bukarest”. Manches beschreibt Richard Wagner sehr gut, z. B. daß Spezialistentum (Herr Ypsilon) immer und in jedem System gefragt ist, äußere Zwänge, die zur persönlichen Schuld führen z. B. sich Einfügenmüssen in ein System von dem man weiß, daß es eigentlich nichts gutes hervorbringt. Aber man tut es des Vorteils willen oder weil man erpresst wird, wie auch immer. Anderes bleibt für mich aber oberflächlich und schemenhaft, wie die Beschreibung der Beziehung der modernen Frauenzeitschriftherausgeberin zu den Männern, ich nehme das ganze, so wie es dargestellt wird auch nit ab.
Bei aller Kritik an Florescus Buch, aber ich habe es lieber gelesen als Wagners Werk, wahrscheinlich weil es mehr “Banat-Bezug” hatte.
Ich frage mich, ob ein schöngeistiger Leser ohne Rumänien-Bezug viel mit Wagners Buch anfangen kann. Hatte man in “Miss Bukarest” noch einen Einblick in die Denk- und Handelsweise eines nationalkommunistischen Securisten, der mit einer Sächsin verheiratet war und sich im Westen nolens volens integrieren musste, bekommen, war da ein gewisser exotischer Reiz, auch die Beschreibung der kommunistischen Zeit in Rumänien, so wirkt ähnliches im neuen Roman Wagners vieles nur plakativ, eben zu oberflächlich.
Hier eine Radiorezension:
http://www.rfi.ro/articol/stiri/cultura/minte-ma-noul-roman-semnat-richard-wagner
Wenn schon der Roman nicht verzaubert, dann vielleicht achgut.com.
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/zehn_anmerkungen_zum_denkenden_deutschland/
Ich glaube ,,Belüge mich,,hat uns nicht vom Hocker gerissen weil die ,,Handlung,,(wenn man das so nennen kann)weit weg von uns stattgefunden hat.In Bukarest.
Hat jemand erwartet etwas vom Banat zu hören?
Ich schon,darum lies mich alles kalt.
Ich konnte auser ein Paar gute Sätze nichts finden das mich interessiert hätte.
Oder ich als Laie habe den Kern der Sache nicht verstanden…
Ich glaube was Florescu geschrieben hat,geht manchen mehr ans ,,Herz,,als sie eingestehen möchten.
Find ich auch sehr schade. Florescu scheint gerade alles zu vereinnahmen und kein Platz für Nebenbuhler zu lassen.
Alle pro oder kontra Florescu. Das zu lesende Buch war aber eins von Wagner.
Habt Ihr das Buch nicht gelesen oder wollt Ihr Eure Meinung hier nicht verraten?
So wird das mit der Leserunde eher ein “La Table du silence”.
Das Thema schien mir von einem gewissen Anspruch, aber Wagner ist zu sehr an der Oberfläche geblieben.
Alles zu blaß geschildert, nicht nur der Ort des Geschehens.
Material ist zwar genug da, auch sehr interessantes, aber es ist wie ein Essen ohne Gewürz.
Wenn von Bukarest die Rede ist, von den Menschen dieser Stadt, dann sollte das auch spürbar sein.
Für mich eher enttäuschend alles, sah eher nach Andeutung einer Geschichte als nach der Geschichte selbst aus.
Ich habe mir von Wagner auch mehr erwartet.
@katharina
Nein wird sie nicht. Es ist nur der versuch hier einen Link zu ergattern. Daher muss auch der Begriff Airline im Text stehen. Warte also besser nicht auf eine Antwort.
Was haltet ihr von der Geschichte? Kommt sie euch nicht auch furchtbar konstruiert vor? Ich habe das Gefühl Richard Wagner will mit dem Roman zu viel erzählen. Zu viele Themen wurden rein gepackt auf zu wenig Platz. Über die Themenvielfalt hätte man gut und gerne zwei oder sogar drei Bücher schreiben können.
Ich meine ich mache hier folgende Themen aus: Die Zeit des Wechsels von der NS- in die sozialistische Diktatur. Der Wechsel von der sozialistischen Diktatur zur Demokratie mit den entsprechenden Folgen für die heutige Zeit. Und das Wiederentdecken der “Heimat”, in der man eigentlich nicht mehr zurecht kommt.
@Silke
Könnten Sie etwas expliziter sein?
“Jemand sieht etwas, und es ist nicht das, was du siehst.”
“Belüge mich.”
Am liebsten würde ich manchmal sofort irgendwelche Airlines anrufen und mich hier aus dem Staub machen…
Also hier findet die Diskusion statt!Habe es übersehen.
seppy am 1. März 2011 um 18:15
Zu ,,Belüge mich,,
Ich bin ein Ignorant.Ich kann mit Salsa,Tangoschule in Bukarest nichts anfangen.
Was mich gewundert hat ,ist,das im Roman kein einziges rumänische Wort verwendet wird ,obwohl die ,,Handlung,,zu meist in Bukarest stattfindet.
Horn wird irgendwie dargestellt wie der Held in Sergiu Nicolaescus Filme.
Der Kommisar war auch zu erst Regalist und nachher half er den Kommunisten.
Einige Sätze sind sehr gut,andere wiederum stören.
Der Mord am Ende war überflüssig.Es fehlte auch die Verzweiflung von Remus das sein ganzes Vorhaben mit zur Befreiung scheitern würde.
Es war ein Roman mit vielen Faccetten.
P.S.Ich bin kein Kritiker darum muss man das geschriebene als eine Lesermeinung sehen.
Gerd:@ “Unser BILD-Boulevard erhebt einen Blender zum Helden, WIR SIND BILD!, wir wollen ständig belogen werden, von der Lüge berieselt, schwimmen wir im Glück.”
wie wahr, wie aktuell. Jetzt sind einige sauer, auch hier, da das Objekt ihrer Verehrung versenkt wurde.
Durlacher
Ein großes Kompliment an Euch! Ihr habt den Roman wunderbar analysiert und das Wichtige zusammengefasst. Damit ist eine hervorragende Grundlage für die Blog-Diskussion gegeben. Ich hoffe, ich finde bald ein wenig Zeit, um mich zu beteiligen. Danke, Beatrix.