Die Schule nur ein notwendiges Übel?

30. August 2010
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Der allgemein schale Vorgeschmack vor dem ersten Schultag / Von Balthasar Waitz

Ein Eurobarometer ergab, dass Rumänien derzeit beim Wissensstand mit Platz 24 von 29 Mitgliedsstaaten einen der letzten Plätze in der EU belegt: 42 Prozent der Befragten waren der Ansicht, die Sonne drehe sich um die Erde. Hoch im Trend hierzulande sind hingegen Kirchgang, allerhand Aber- und Wunderglauben, u. a. an Horoskope und Glückszahlen. Es wäre leichtfertig, die Schuld daran allein den älteren Generationen, den Altlasten und Mentalitäten aus dem kommunistischen Regime zuzuschreiben.

Sind Wirtschaftskrise und Verarmung daran schuld? Sollte man da nicht eher, außer der Schulpolitik, die Unterlassungen des aktiven Segments unserer Gesellschaft und vor allem die chronischen Missstände im rumänischen Unterrichtswesen in Betracht ziehen? Neben dem Gesundheitswesen ist das Schulwesen, beide vitale Bestandteile des sozialen Räderwerks, der wohl am stärksten betroffene Bereich unserer Gesellschaft: Nach den harten Regierungseingriffen (Kürzung des Budgets und der Lehrergehälter, Entlassung von Lehrern, Schließung von Schulen usw.) ist die Atmosphäre im Unterrichtswesen, einen Monat vor Schulbeginn, gereizter und pessimistischer als je zuvor nach der Wende.

Jahraus, jahrein das gleiche Lied

Wie sollte es anders sein, wenn man die miserablen Bedingungen in den Schulen beim Wort nennt. Jahr für Jahr ist es immer das gleiche Lied: Viele Schulen müssten eigentlich zu Beginn des neuen Schuljahrs geschlossen bleiben, da sie vielen der erforderlichen gesetzlichen Voraussetzungen, vor allem den sanitären, nicht entsprechen. Vor Kurzem ließ uns Unterrichtsminister Daniel Funeriu wissen, dass er den festen Entschluss gefasst hat, dass am 15. September 2010 mehr als 85 Prozent der rumänischen Schüler in Schulen gehen werden, die die Genehmigung von den Hygienebehörden haben! Gleichzeitig kündigte Minister Funeriu aber auch drastische Budgetkürzungen und die Entlassung von 15.000 Lehrern landesweit ab kommendem September an.

In der Westregion zeigen sich die Verantwortlichen im Unterrichtswesen eher gelassen als besorgt. Laut Sandu Glocea, dem Leiter des Temescher Kreisschulinspektorats, sei die Situation im Kreis Temesch gar nicht so schlimm. Wenn auf Landesebene 11 Prozent der Schüler Schulen ohne sanitäre Genehmigung besuchen müssen, so liegt dieser Prozentsatz im Kreis Temesch nur bei sieben Prozent. Das Kreisschulinspektorat führt gar den Zusammenschluss von 51 Schulen des Kreises als erleichternde Begleitumstände an.

Warum nicht auch noch die Reduzierung der Lehrer- und Schülerzahl, nicht wahr? Wie beruhigend können solche Feststellungen sein? Derzeit haben 141 von insgesamt 707 Temescher Schulen (20 Prozent) keine Genehmigung. Der Temescher Vizepräfekt Zoltán Marossy zeigt sich entrüstet über die lasche Einstellung der Verantwortlichen: „In Rumänien ist die Flucht vor der Verantwortung zu einem Nationalsport geworden!“ Gemäß der lückenhaften Gesetzgebung müssen die Schulen ohne sanitäre Genehmigung, laut Marossy, gar nicht geschlossen werden. Die Schultätigkeit kann weiterhin seelenruhig ohne Genehmigung (Minimalbedingungen sind Kanalisation und fließendes Wasser) abgewickelt werden, wenn der jeweilige Schuldirektor die Verantwortung dafür übernimmt. Eine diesbezügliche gesetzliche Vorschrift für die Schulschließung gibt es nämlich nicht!

Ein noch heikleres Thema ist das der Schulreparaturen. Die werden jährlich schlecht und recht durchgeführt und verschlingen stets horrende Summen. Im Kreis Temesch werden heuer an 83 Schulen Reparatur- und Modernisierungsarbeiten (sie müssen bis 13. September fertiggestellt werden) durchgeführt. Diese haben schon die Hälfte des Gesamtbudgets vom Ministerium (7,9 Millionen Lei) verschlungen. Die Schulden des Kreisschulinspektorats bei den ausführenden Firmen (manche Schulden sind schon zwei bis drei Jahre alt) betragen jedoch das Doppelte dieser Summe.

Wie sieht die Situation in den anderen Kreisen des Banats aus?

Im Kreis Arad muss ein Viertel der Schüler Schulen ohne sanitäre Genehmigung in Kauf nehmen. 18 Prozent der Schüler des Kreises, sämtliche vom Lande, werden wie in den Vorjahren derartige Schuleinheit besuchen müssen. Laut Nicolae Pellegrini, Leiter des Arader Kreisschulinspektorats, ist das Fehlen eines Wasserleitungsnetzes in den jeweiligen Dörfern leider nicht zu lösen. In der Stadt scheint die Situation in diesem Bereich überdurchschnittlich gut zu sein: Die PDL-Kommunalverwaltung lässt sich die Reparaturarbeiten an den städtischen Schulen rund neun Millionen Lei kosten.

Laut der Karasch-Severiner Gesundheitsbehörde hätten derzeit 50 Prozent der Dorfschulen des Kreises keine sanitäre Genehmigung. Auch hier gibt man sich allgemein zufrieden, da der Prozentsatz dieser Schulen auf Landesebene darüber liegt.

Summa summarum: Unter diesen Bedingungen ist wenig Gutes zu erwarten. Weder von der zwischen Resignation und Aufbegehren schwankende Lehrerschaft, noch von der enttäuschten oder angewiderten Schülerschaft wird der erste Schultag heuer als freudiges Wiedersehn oder gar als ein Fest erwartet. Eher als ein notwendiges Übel.

Quelle: ADZ
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3 Responses to Die Schule nur ein notwendiges Übel?

  1. Polkakeenich am 2. September 2010 um 06:59

    Das die Sonne sich um die Erde dreht und das die Hokuspokus Ärzte hoch im kurs sind.

    Dies hat Rumänien schon dem Kapitalisten zu verdanken dehnen Sie ja auch in den Hintern grochen wegen der lieben Marie!

    Jeder Baut sich Villen mit zwei Meter hohe zäune und Stacheldraht drum herum. Die Schule interesiert doch keiner………

    Sie haben jetzt ihr Land und machen nichts daraus……….Warum?

  2. Katharina am 2. September 2010 um 00:58

    Die Schulen, die ich besucht habe, waren im Herbst immer in einem guten Zustand.
    Auch die von mir bekannten Kindergärten waren renoviert und sauber.
    Nach der Wende war angeblich plötzlich kein Geld mehr da.
    Oder es fühlte sich keiner mehr zuständig.
    Und das geht nun seit vielen Jahren so. Einerseits wird gejammert, anderseits verpulvert man das Geld scheinbar für ganz andere Dinge.
    Wieso war es in der miserablen Zeit des Odiosu möglich, Kindergärten und Schulen in einem guten Zustand zu halten?

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