Deutsche Schule in Neuarad: Umzug mitten im Schuljahr

2. März 2011
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Weder für Schüler noch für Lehrer ideale Lösung / Von Raluca Nelepcu und Siegfried Thiel

Das deutsche Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeum in Neuarad befindet sich seit den Semesterferien im Umzug. Drei der alten Schulgebäude, die ihrem ehemaligen Besitzer, der römisch-katholischen Kirche, rückerstattet wurden, mussten innerhalb weniger Monate geräumt werden: Eines der vier ursprünglichen Gebäude hat das AMG-Lyzeum bereits im vergangenen Sommer nach Rückerstattung an die Kirche aufgegeben, zwei weitere folgten vor Kurzem. Als Schule bleibt nur das Gebäude auf der Timisorii-Chaussee Nr. 67 erhalten, wo die Klassen 1 bis 4 untergebracht sind. In dem Gebäude, das letzten Sommer durch den Zusammenschluss mit der Allgemeinschule Nr. 20 erworben wurde (wir berichteten), lernen die Schüler der Klassen 5 bis 8 und die Lyzealschüler siedelten in zwei Flügel des Forstlyzeums um. An den Räumlichkeiten im Forstlyzeums wird zurzeit noch gearbeitet, sodass der Unterricht im zweiten Schulsemester parallel mit den Einrichtungsarbeiten laufen muss.

Da drei Gebäude vor der Rückgabe standen, kam es zur Übernahme der Allgemeinschule Nr. 20 durch das AMG-Lyzeum. Diese Unterrichtseinheit befindet sich ebenfalls in Neuarad, auf der Posada-Straße. Dahin zogen die Schüler der Klassen 5 bis 8. „Die meisten Klassen sind im Forstlyzeum untergebracht. Leider ist noch ungewiss, ob wir für die Labors genügend Räume haben werden. Wegen Bauarbeiten im Treppenhaus gelangt man auf Umwegen zu den Räumlichkeiten. Die meisten Klassen befinden sich in relativ gutem Zustand, auch wenn etwas spärlich und prekär ausgestattet. Wir haben nun auch keinen Sportsaal mehr“, sagt der ehemalige Schulleiter Michael Szellner, derzeitig Mitglied im Verwaltungsrat des AMG-Lyzeums und Vorsitzender des Deutschen Forums in Arad.

Neuarad ist seit 1948 Teil der Stadt Arad. Bis dahin war die Gemeinde selbstständig und von großteils deutsch-schwäbischer Bevölkerung bewohnt. Unterricht in deutscher Sprache gibt es in Neuarad seit 1725. In der Zwischenkriegszeit gab es hier sogar vier verschiedene deutsche Schulen: eine Konfessionsschule für Nonnen, eine Mädchenschule des Marienfrauenverbands, eine Gesamtschule des Bauernverbands und eine Knabenschule des Gewerbevereins. Um nicht von den Nationalsozialisten in Militärschulen umgewandelt zu werden, wurden die Schulgebäude Ende der 30er Jahre der Reihe nach der katholischen Kirche übergeben.

Gleichzeitig mit der Angliederung der Gemeinde Neuarad an die Großstadt Arad nach dem Zweiten Weltkrieg fand auch die Schulreform durch die kommunistischen Behörden statt. Die Schule mit Unterricht in der Muttersprache Deutsch erhielt drei Schulgebäude aus dem beschlagnahmten Eigentum der Kirche sowie das Gebäude des ehemaligen Rathauses. Die Eltern der deutschen Schüler bauten in den 60er Jahren eine neue Schule für ihre Kinder. Die Behörden ließen das zu und riefen gleich danach eine neue rumänische Schule ins Leben, die Allgemeinschule Nr. 20, die in das neue Gebäude einzog, während die deutsche Schule in den alten Räumlichkeiten bleiben musste.

Nach der Wende 1989 wurden der römisch-katholischen Kirche enteignete Liegenschaften rückerstattet und die Stadtverwaltung musste laut Regierungsbeschluss für drei Gebäude der deutschen Adam-Müller-Guttenbrunn-Schule Miete zahlen. Seit Jahren suchen Schulleitung und Deutsches Forum nach Alternativen für die Schule, deren Räumlichkeiten auch längst nicht mehr zweckmäßig waren. Das nun auf drei Gebäude verstreute Adam-Müller-Guttenbrunn-Lyzeum ist auch heute weit weg von einem Ideal-Zustand.

Die Schulleiterin Lavinia Chis weiß das wohl auch, versucht jedoch das Beste daraus zu machen: „Einen Zwei-Schicht-Unterricht wird es nicht geben. Das wäre ein erheblicher Verlust, denn wir sind in einem Randviertel angesiedelt, doch die Schüler kommen aus der ganzen Stadt“. Und zum Umzug ins Gebäude des Forstlyzeums sagt sie: „Wir haben einen eigenen Gebäudetrakt erhalten, fusionieren nicht mit dem Forstlyzeum und das Gebäude liegt in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Allgemeinschule Nr. 20, in der unsere Klassen 5 bis 8 untergebracht sind.“

Quelle: ADZ
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2 Responses to Deutsche Schule in Neuarad: Umzug mitten im Schuljahr

  1. Anonymous on 3. März 2011 at 16:07

    Doch Superschwabo, die Nazis gab es so und sie haben unseligerweise mitgemischt, gegen die Kirchen.
    In Siebenbürgen gab es in Hermannstadt das Diasporaheim, ein Internat für Mädchen, das von der Kirche betreut wurde für Schülerinnen vom Dorf. Meine Mutter war da und sie liebten den Leiter des Internats und seine Frau sehr. Die Mädchen gingen ins Gymnasium, Lyzeum (waren zwei verschiedene Schulen) oder Sekretärinnen/Buchhalterschule.
    Da beschlossen die Deutsche Volksgruppe – die nichts anderes waren als Nazis- die Schulen und das Internat der Kirche wegzunehmen und es selbst zu leiten und die Jugend “richtig” zu erziehen, mit Morgenturnen Fahnenappell und sonstigem Blödsinn, so richtig “Premilitar” wie wir es auch hatten.

    Wenn die Kirchen jetzt diese Gebäude zurückbekommen, ist es eine riesige Verantwortung und wenig Helfer. “Sehr gerne die Hand aufhalten” – das klingt schäbig. Diese Gebäude hat der rumänische kommunistische Staat enteignet und genutzt bis zum Geht-Nicht-Mehr, dabei ist sehr viel Baustruktur kaputt gegangen.
    In Kronstadt, aber auch in anderen Städten werden die cu chiu si vai renovierten Schulen dem Unterrichtsministerium zur Verfügung gestellt, aber seit vielen Monaten zahlt dieser KEINE Miete.
    In den kirchlichen Heimen und Hospizen, die nicht der Staat gegründet hat, zahlt das Gesundheitsministerium den Beitrag für die Kranken und Sterbenden oft nicht.

    Was mich aber mehr aufgeregt hat in dem Bericht über die Neuarader Schule ist die Tatsache, dass die Schwaben sich in den 60-ger Jahren eine neue Schule bauten, die dann einfach so weg genommen wurde!

  2. Supersvabo on 3. März 2011 at 14:44

    “Um nicht von den Nationalsozialisten in Militärschulen umgewandelt zu werden, wurden die Schulgebäude Ende der 30er Jahre der Reihe nach der katholischen Kirche übergeben.”

    das verstehe ich nicht, ein Missverständnis. Die Nationalisozialisten in Rumänien gab es so nicht, wie im Dritten Reich. Es war höchstens die Deutsche Volksgruppe, die einen NS-Kurs führ. Ich zweifele sehr, dass auch damals der rumänische Staat (der unter der Leitung von Antonescu und der Eisernen Garde stand) es duldeten, dass die Deutsche Volksgruppe Militärschulen betrieb. Aber gut, in Anbetracht dessen, dass es schon so lange her ist muss man es eh nit so genau nehmen, zumal es ja die Nationalsozialisten in Rumänien nit mehr gibt, die sich dagegen wehren könnten.

    Aber was anderes zeigt sich: die Kirche, dass sie auch, die Nächstenliebe vergessend, sehr gerne die Hand aufhält. Wem kommen denn diese Liegenschaften praktisch zu Gute? Dem Neuarader Pfarrer? Dem Messner? Dem Bischof?