Heute ist wieder eine neue Ausgabe der Banater Zeitung im Internet erschienen. Und wie immer gibt es interessante Berichte, diesmal sogar im Banater Dialekt und eine Banater Fotostory. Der Text zu den Fotos lautet: “Ja tös Traahn tös is mei Leebn,/ als traahn ti kanzi Zeid,/ was kann’s tenn scheen’res keebn/ i traa zum Zeidvatreib!” Dies ist ein schönes Beispiel wie unterschiedlich der Dialekt der Banater Schwaben doch ist. In der Familie reden wir nur Dialekt, selbst mit meinem Bruder wenn wir weggehen. Demzufolge bin ich der Meinung es zu verstehen. Aber wenn ich den Text übersetze, macht es um ehrlich zu sein wenig Sinn.
“Ja das Tragen, das ist mein leben/ ständig tragen die ganze Zeit/ was kann es denn schöneres geben/ ich trage zum Zeitvertreib!”. Das macht doch kein Sinn? Oder verstehe ich darin etwas falsch? Heißt traahn etwa gar nicht tragen? Passend zu den Fotos dürfte es wohl eher ein Tanz sein? Klärt mich auf? Was heißt es und aus welchem Dorf kommt der Autor Karl Windberger und was ist es genau für ein Dialekt?
König Michael I. bekommt die Ehrendoktorwürde von der Temeswarer West-Universität verliehen. Nach der Ernennung zum Temeswarer Ehrenbürger ist es mittlerweile die zweite Ehrung für den rumänischen König. Die Frage ist blos, ob er wirklich diese Auszeichnung der Hauptstadt des Banats verdient hat. Was hat er fürs Banat geleistet? Naja sicher hat er einen Großteil dazu beigetragen, dass es heute fast leer von allen Banater Schwaben ist. Er war es der Zugelassen hat, dass General Antonescu zum “Führer” in Rumänien wurde und damit auch die Banater Schwaben in einen von ihnen nicht begonnenen Krieg geführt hat. Und vor allem war er es, der Antonescu wieder abgesetzt hat und dann schnell die Seiten gewechselt hat. Und damit wiederum die Banater Schwaben der Verschleppung, Enteignung, Ermordung und anderen schlimmen Sachen ausgesetzt hat. Hat dieser es wirklich verdient Ehrenbürger und Ehrendoktor unserer Hauptstadt zu sein?
Aber es scheint auch niemanden zu interessieren. In der Banater Post wird es wahrscheinlich einen netten Bericht darüber geben und fertig. Aber diese Tatsache und seine Person zu kritisieren wird sich niemand trauen. Oder haben wir einfach schon das Banat völlig aufgegeben? Doch dann sollten wir uns fragen was ein Volk ohne Heimat ist. Ohne wenigstens den Traum einer Heimat, eines Zuhauses. Wenn Michael I. sich für jemanden eingesetzt hat, dann für sich und den rumänischen Teil seiner Bevölkerung. Wie makaber ist es da, dass nach seinem Tod die rumänische Krone wieder an einen Deutschen fällt. Michael I. gehört dem Haus Hohenzollern-Sigmaringen an. Und so verbieten sich eine weibliche Nachfolgeschaft. Damit fällt die Krone Rumäniens nach dem Tod des Königs wieder dem Oberhaupt des Hauses zu, nämlich Prinz Friedrich Wilhelm von Hohenzollern-Sigmaringen. Doch leider wird das uns Banater Schwaben auch nichts bringen. Denn der König in Rumänien hat rein gar nichts zu sagen.
Hauptsache provozieren kommt mir in den Kopf wenn ich den Artikel “Was für einen Gott hast du?” lesen muss. Der Temeswarer Verein für Amateurfotografen veranstalltet eine Ausstellung zu diesem Thema. Dabei sollen Menschen porträtiert werden, die durch ihr Verhalten und ihre Tätigkeit sozusagen unterschiedlichen Götter dienen – also dem Geld, dem Erfolg usw. Es ist doch lächerlich, dass im Westen mittlerweile jeder Wichtigtuer versucht mit dem Theme Gott aufzufallen. Das wirklich schlimme ist blos, es interessiert auch keinen mehr. Ob Merkel etwas vom Papst fordert oder irgendwelche Amateurfotografen im Osten, dem großteil der Menschen ist es scheiß egal. So etwas sollte man einmal im Iran oder Saudi Arabien versuchen. Dort hätten die Initiatoren schneller ein Sack überm und ein paar Steine am Kopf als sie Amateur sagen könnten.
Was mit dem Banat passiert, seit die Banater weg sind, sieht ja jeder an den zusammengefallenen Häuser und Kulturbauten. Jetzt reiht sich auch noch ein Ökodisaster in der Banater Heide in diese Reihe ein. Verstreutes Gift für die Bekämpfung von Nagetieren hat über 150 Rehe, Füchse, Hasen, Dachse und Wildenten dahin gerafft. Aber seien wir doch mal ehrlich, was erwartet man wenn hier Menschen auf dem Land leben, die es Geschenkt bekommen haben. Unsere Ahnen haben ihr Leben riskiert, um das Banat fruchtbar zu machen. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben es die meisten Rumänen geschenkt bekommen. Und was wir noch behalten durften, mussten wir bei der Ausreise für ein Mittagessen verkaufen. Wie kann man dann erwarten, dass diese Leute sich für diese Güter einsetzen? Ich habe gehört von einer Familie, die in einem Dorf innerhalb von wenigen Jahrzehnten über fünf mal umgezogen sind. Sie haben ja immer neue Häuser in den Arsch geschoben bekommen, wenn ein Banater Schwabe wieder nach Deutschland gegangen oder geflüchtet ist.
Für den Zerfall des Banats steht auch ein weiterer Artikel über einen Kurs für Altenkrankenpflege in Karansebesch. Wieviele Banater Schwaben kennt ihr, die im Banat ihre Eltern in ein Pflegeheim gegeben haben? Oder die Kinder in ein Kinderheim. Das es an der Zeit liegt lass ich nicht gelten. Denn auch als unsere Eltern und Großeltern sich im Banat noch um ihre Eltern und Großeltern gekümmert haben, haben andere ihre Kinder und Eltern schon in Alten-, Pflege- und Kinderheimen verrotten lassen.
Ich will nicht sagen, früher war alles besser. Aber dem Banat ginge es heute sicherlich besser, wenn die Banater Schwaben dort in den letzten 100 Jahren mehr zu sagen gehabt hätten. Es ist etwas, das mich wirklich zur Verzweiflung treibt. Wir müssen uns von hier aus ansehen wie in wenigen Jahren alles zu Grunde gerichtet wird, was unsere Ahnen in Jahrhunderten aufgebaut haben. Und wir können nichts dagegen tun. Denn wir haben das Banat schon längst vor unserer Zeit aufgeben müssen. Die Alternativen waren im Banat bleiben und mit ihm untergehen oder weg ziehen und zuschauen wie die Kultur der Banater Schwaben unter geht. Ich weiß nicht ob es Möglichkeiten gibt dies zu verhindern. Aber ich persönlich werde die Hoffnung nicht aufgeben. Denn unsere Ahnen haben Großartiges geleistet und es verdient nicht vergessen zu werden. Vielleicht müssen wir uns einfach irgendwo den Traum einer Banater Republik bewahren. Dass wir doch noch irgend wann einmal ein Zuhause in unserer Heimat finden.
Doch jetzt genug mit den Sentimentalitäten. Hier die Berichte aus der Banater Zeitung. Wie immer geht der Link direkt auf den Blog der Banater Zeitung. Viel Spaß beim Lesen.Hohe Ehrung für König Mihai
Nach Temeswarer Ehrenbürger auch wissenschaftlicher Titel
bw. Temeswar – In festlichem Rahmen soll König Mihai von Rumänien am 21. Mai in Temeswar der Ehrendoktortitel (doctor honoris causa) der Temeswarer West-Universität verliehen werden. Damit möchte die Leitung der West-Universität die großen und bleibenden Verdienste von König Mihai in der Gründung dieser führenden Banater Hochschule vor 65 Jahren würdigen. Die Gründung geht auf eine Gemeinschaftsinitiative mehrerer bedeutender Banater Kulturpersönlichkeiten, allen voran Sever Bocu, zurück, deren Ansuchen zu einem Bericht des damaligen Kulturministers an König Mihai geführt hatte. Die Gründung der Universität wurde darauf durch das königliche Dekret Nr. 660 vom 30. Dezember 1944 fester Beschluss. Zu den ersten Fakultäten gehörten die für Rechtswissenschaften, Sprachwissenschaften und Philosophie, Wissenschaften, Medizin, Tiermedizin, Pharmazeutik und für Theologie. weiterlesen auf der BZ …
„Was für einen Gott hast du?”
Stereotypen der heutigen Welt – im Freien ausgestellt
ao. Temeswar – Der Temeswarer Verein für Amateurfotografen „fototm” veranstaltet zwischen dem 11. und 25. April eine Street-Art-Expo am Domplatz vor dem Kunstmuseum. „Stop! Du hast ein einziges Leben: Was für einen Gott hast du?” heißt die Fotoausstellung der „fototm”-Mitglieder. weiterlesen auf der BZ …
Ökodisaster auf der Banater Heide
Schwergeschädigter Wildbestand/ Drei Jahre Jagdverbot bei Checea
Von Bestürzung bis zu heller Entrüstung waren die Sofortreaktionen bei den Bewohnern der Temescher Gemeinde Checea bis zur Umweltschutzbehörde, dem Jägerverband und in die entfernte Kanzlei des Präfekten, als vor Kurzem auf den Feldern bei Checea ein makabrer Fund gemacht wurde: Nahezu 150 Tiere aus dem lokalen Wildbestand, darunter 40 Rehe, 50 Hasen, Füchse, Dachse und Wildenten waren dem hier auf unverantwortliche Art und absichtlich zur Bekämpfung der Nagetiere ausgestreuten Gift zum Opfer gefallen. weiterlesen auf der BZ …
Karansebesch: Kurs für Altenkrankenpflege
Rumänienaktion Aachen Nordwest unterstützt häusliche Pflege im Banat/ Von Iulia Sur
„Schwerpunkt dieses Kurses ist die Vermittlung der Prinzipien der Altenkrankenpflege sowie die Mobilisierung der Patienten und nicht zuletzt die Sensibilisierung der jungen Leute gegenüber der Alten und deren Krankheiten”, betont Gabriela Bors, Leiterin des unlängst veranstalteten eintägigen Kurses über Krankenpflege im römisch-katholischen Pfarrhaus in der Karascher Bergstadt Karansebesch/Caransebes. Es ist der zweite von der Caritas Temeswar/Timisoara organisierte Fortbildungskurs im Bereich der Krankenpflege in der Stadt an der Temesch/Timis. Die Krankenschwester und Leiterin der elf Sozial- und Pflegestationen der Caritas Temeswar teilt den 20 Kursanten aus ihrer 30 Jahren Arbeitserfahrung in der Krankenpflege mit. weiterlesen auf der BZ …
E Knieser erinnert sich … (I)
Ich sen e Knieser Schwob, leb awer schon lang nimmi dort. Wie das em Lewe schon so geht, muss mer jo schaue, von wo s täglich Brot herkommt. For das muss mer e Beruf leere on wann mer das derhem net kann, muss mer halt sei Heimatort verlosse on in di “Fremd” gehn. Das war aa bei mir so. Ich leb jetz zeider 27 Johr met meiner Familie en Deitschland, awer ich kann eich schon saan, dass ich “mei” Knies net vergess han; netmol mei Knieser Dialekt han ich vergess. Das es schon e Sach, weil ich han jo kaum Gelegnheit, schwowisch zu redde, hechschtns wann ich mol met alde Knieser Freinde oder Landsleit zammkomm, oder met meim Bruder, de wo aa sei “Motterschproch” noch net vergess hat! weiterlesen auf der BZ …
Zigarren und Rum
Ein bisschen Kuba in Temeswar/ Von Olivian Ieremiciu
Ein leichter Cognac-Geruch, der schnell durch dichten, schweren Rauch ersetzt wird. Der erste Tabakladen, der Kubanische Zigarren führt, ist ab nun in Temeswar offen. El Unico Deluxe Tobacco Shop liegt in der Nähe des Marasti-Platzes, in der Marasti-Straße. weiterlesen auf der BZ …
Die Parlamentsherde
Eine der meistzitierten Repliken der rumänischen Literatur ist die Frage des „besoffenen Bürgers” in I. L. Caragiales Wahlsatire „Eine stürmische Nacht”: „Mit wem wähle ich?/Eu cu cine votez?” Erst die Nachwendezeit beginnt diese gut ein Jahrhundert für alle verwirrten Wahlbürger Rumäniens gültige Frage zu relativieren. Sie müsste zunehmend lauten: „Wen wähle ich?” Diese Frage ist aktuell nicht nur, weil auch 2009 ein Wahljahr ist – im Juni sind Wahlen für das Europaparlament und im November die zunehmend wichtigen für das eigentlich laut Verfassung ziemlich unwichtige Amt des Präsidenten. weiterlesen auf der BZ …
Teure, frische Luft
5.000 neue Bäume für Temeswar
oi. Temeswar – Fast 750.000 Euro für Bäumchen in Temeswar. So viel will das Bürgermeisteramt zahlen, um verschiedene Baumarten anzupflanzen. Diese stammen hauptsächlich aus Ungarn und Holland. Insgesamt sollen in diesem Jahr 5.000 Bäumchen gepflanzt werden. Pro Stück gerechnet: 150 Euro. Der Vizebürgermeister Adrian Orza sagt, dass bereits 2.000 Bäumchen gepflanzt wurden, weitere 3.000 kommen bald hinzu. weiterlesen auf der BZ …
Luftfahrtmuseum in Traian Vuia
Zwischen Gedenkstätte und Tourismusattraktion
oz. Temeswar – Der Temescher Kreisrat fördert mit zwei Millionen Lei den Bau eines Luftfahrtmuseums in Traian Vuia zum Gedenken an den rumänischen Erfinder, nach dem die Ortschaft benannt wurde. weiterlesen auf der BZ …
Paintball für Shooterfreaks
Größtes Spielfeld in Westrumänien eröffnet/Von Oliver Zsilko
„Counter Strike” und „Half Life” sind zwei der bedeutendsten Taktik-Shooter, die weltweit sowohl von Jugendlichen, als auch von Erwachsenen am Computer gespielt werden. Diese Computerspiele begeistern auch in Rumänien je mehr PC-Benutzer – sie werden in Internetcafés oder von Zuhause unter Freunden oder sogar mit unbekannten Teilnehmern rund um die Welt gespielt. Im Gegensatz zu den Spielen, die auf Phantasie beruhen, ist „Paintball” der Wirklichkeit viel näher. Mit Hilfe einer Luftdruckwaffe müssen in diesem Sport Farbkugeln „abgeschossen” werden. weiterlesen auf der BZ …
Cristian Ilea verbindet Kunst mit Natur
Schmuckstücke aus Blumen und Möhren / Von Ana Saliste
Der 24-jährige Cristian Ilea wickelt einen Blumenstiel mit einem grünen Blatt ein. Um dem kleinen Kunststück eine lebendige Farbe zu verleihen, fügt er noch ein orangefarbenes Möhrenstück hinzu und schon ist der erste Ohrring fertig. weiterlesen auf der BZ …

hey,
das ist ein sehr schöner Artikel. meinen Dank dafür
Gerd
Meinst du Brestowatz?
Petlowatz???
Es gibt ein Petlovac in Kroatien. Das Banat liegt nicht dort. Sorry.
ich wollte mich über meinen ursprung informieren
bzw. abstammung informieren, da ich nach langer zeit endlich von meiner großmutter den ort erfahren habe, von wo sie vertrieben wurde nach 1945, der name ist anna tischmacher geb. schuller 05.03.1920 in petlowatz
würde mich über eine antwort riesig freuen
mfg tischmacher d.
Ein wirklich langer, dennoch sehr gelungener Bericht mit allerlei infos.
Vilen DAnk und Lg, Felix
Da habe ich doch eine Menge Neues hier erfahren. Danke für den ausführlichen Bericht.