Priester sollen aus kirchlichen Eigenmitteln über die Runden kommen / Von Siegfried Thiel
Sie sind enttäuscht, überrascht und besorgt – die Reihenfolge ließe sich beliebig ändern, abhängig von der Richtung, aus der die Reaktionen kommen. Der Ex-PDL-Abgeordnete Silviu Prigoanã sorgte nämlich während seines Urlaubs selbst für eine Provokation. Rumäniens Klerus soll, seiner Initiative nach, aus Eigenmitteln der Kirche, aber auch von den Almosen der Gläubigen über die Runden kommen. Der Zuschuss vom Staat für Priestergehälter soll also gestrichen werden.
Die Orthodoxe Kirche in Rumänien berief sich sogleich auf ein Gesetz aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als der damalige Herrscher Alexandru Ioan Cuza ausgedehnte Güter der Kirche verstaatlichte, dafür aber die Gehälter der Geistlichen sicherte. Prigoanã will das heute gültige Gesetz zunichte machen, auch wenn längst nicht alle im Kommunismus enteigneten Liegenschaften rückerstattet wurden und die Kirchengüter über Jahrzehnte vom Staat genutzt wurden.
Die Zuschüsse werden gestrichen, die geplanten Einsparungen reichen jedoch nicht, um das immense Haushaltsloch des Staates zu stopfen davon sind die Geistlichen überzeugt, aber auch Parlamentarier und die meisten Bürger ebenfalls. „Für mich kommt die Zusage für ein solches Gesetz auf keinen Fall in Frage“, sagt Ovidiu Gant, Abgeordneter des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien. Besonders befremdlich findet er, dass solcher Art Vorschläge von einem Politiker kommen, der bis vor Kurzem gerade der Partei angehörte, die die Hauptschuld an der schlechten Verwaltung der rumänischen Finanzen trägt. „Jahrelang wurden die Kirchen vom Staat beklaut, die Rückerstattung des Kircheneigentums ist noch nicht abgeschlossen und nun will man auch noch die finanzielle Unterstützung streichen“, sagt der Abgeordnete der deutschen Minderheit. Johann Dirschl, Generalvikar der Diözese Temeswar/Timisoara, wies darauf hin, dass die Kirche nicht nur da ist, um den Glauben aufrecht zu erhalten, sondern auch „zur Pflege von Kultur und Brauchtum und nicht zuletzt kommt die Instandhaltung der Kirchen auf die Geistlichen zu“.
Dirschl glaubt, dass die so eingesparte Summe wie ein „Tropfen auf den heißen Stein“ für den Staatshaushalt wirken wird. Einmal mussten schon die Geistlichen, die ohnehin niedrige Gehälter haben, bedingungslos verzichten: Ab dem 1. Juli mussten sie genau wie alle anderen Staatsbediensteten auch, eine 25-prozentige Gehaltskürzung hinnehmen. Dabei verdient ein frisch geweihter Priester weniger als 1000 Lei. Nun will Silviu Prigoanã auch den Rest des Zuschusses, also die Hälfte der Priestereinkommen streichen.
Ionel Popescu, Sprecher der Orthodoxen Kirche im Banat, sagte der ADZ gegenüber, dass diese Maßnahme vor allem die Kirchengemeinden auf dem Land treffen würde. Die Kirchensteuer bringt auf dem Land laut Popescu sehr wenig Geld in die Kirchenkasse, da dort viele arme Rentner leben. „Manch ein Geistlicher auf dem Dorf wird in großer Armut leben“, sagt der orthodoxe Pfarrer und glaubt auch weitere negative Auswirkungen zu erkennen: „Es werden sich immer weniger junge Leute für den Priesterberuf entscheiden und die Pfarrhäuser bleiben irgendwann leer“, zieht Popescu ein trauriges Fazit. Und der Abgeordnete Ovidiu Gant denkt in vielen Belangen ähnlich wie eine Reihe von Kirchgängern, die glauben, dass es – sollte diese Idee wirklich zum Gesetz werden – so laufen wird: Taufen, Trauungen und Beerdigungen werden ab nun gehörig teurer.
Quelle: ADZ
ADZ Abonnieren

Das wird sich meines Erachtens NICHT ändern.
Der Kommunismus zieht immer noch und wird auch weiterhin im Hintergrund die Fäden ziehen.
Die Kirche wird weiterhin eine von vielen Marionetten des Staates bleiben.
Es ist nicht negativ gegen die Kirche gemeint und solte bitte auch NICHT so verstanden werden!!!
Ich bin 1990 (aus Saderlach)ausgereist.
Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg und Kraft euch zu wehren.
Mit freundlichen Grüßen
M.R-K